Was haben Kostüme mit Mode zu tun? Kostüme gibt es nur einmal, sie müssen nur sich selbst gefallen. Sie müssen hundert Meter weit schillern, aus nächster Nähe bekommt sie niemand zu sehen. Maria Callas trug bei ihren Auftritten stets Colliers aus Hunderten von Swarovski- Kristallen. Sie entfalteten ihren vollen Reiz und Glitzer erst im Scheinwerferlicht. Mode hingegen ist für die Welt gemacht, sie muss tausendfach kleidsam sein. Muss in nächster Nähe wirken, möchte vor allem eines nicht: kostümiert aussehen.

Allerdings haben sich die beiden Genres in den vergangenen Jahren aufeinander zubewegt. Einer der Ersten war der japanische Designer Issey Miyake, der in den neunziger Jahren die Ballettchoreografien von William Forsythe mit Kostümen ausstaffierte. Seitdem versuchen sich Modedesigner immer öfter daran, den Theaterfundus aufzustocken.

Modedesigner sehen es gerne, wenn ihre Entwürfe Teil der Hochkultur werden – und die Theaterhäuser versprechen sich von den wohlklingenden Namen mehr Resonanz. So stattete Bernhard Willhelm schon das Stück Die bitteren Tränen der Petra von Kant unter der Regie von Philipp Preuss am Deutschen Theater in Berlin und machte die Bühne zum Laufsteg. Jean Paul Gaultier kleidete die Tänzer des Berliner Staatsballetts für die aktuelle Aufführung von Schneewittchen an. Fast scheint es, als habe man es als Kostümbildner schwer, in einem normalen Theater noch an Jobs zu kommen, weil überall Topdesigner sich auf die Füße treten. Es ist gar nicht leicht, da noch aufzufallen.

Die beiden niederländischen Modeschöpfer Viktor & Rolf haben es dennoch geschafft. Sie schufen die Kostüme für die Freischütz- Aufführung der Baden-Badener Festspiele, die am 30. Mai Premiere hatte. Und besannen sich auf die Rezepte der Callas: Für die Kostüme ließen sie von der Düsseldorfer Firma "Das Gewand" 1,3 Millionen Swarovski-Kristalle verbauen. Wahrscheinlich sieht man vor lauter Blinken die Aufführung nicht mehr.