Im Windschatten eines Kollegen kann ein Radfahrer eine Menge Energie sparen – eine Daumenregel besagt, dass er etwa so viel Prozent an Energie spart, wie die Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde beträgt. Bei Tempo 30 also 30 Prozent.

Eine Milchmädchenrechnung besagt nun: Was der hintere Fahrer spart, muss der vordere mehr leisten, schließlich müssen ja beide Massen weiterhin bewegt werden. Aber dieses Argument zieht nur für beschleunigte Bewegungen – da ist die aufzuwendende Kraft tatsächlich proportional zur Masse. Für eine Fahrt mit konstanter Geschwindigkeit ist dagegen nur dann Kraft nötig, wenn Reibungskräfte die Bewegung bremsen.

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An der freien Fahrt hindern den Radfahrer der Rollwiderstand der Reifen, die mechanische Reibung im Fahrrad und schließlich der Luftwiderstand. Der wird schon ab 20 Kilometern pro Stunde die dominierende Gegenkraft. Der Luftwiderstand ist aber völlig unabhängig von der Masse, er berechnet sich aus der Querschnittsfläche, die "im Wind steht", und dem bekannten cw-Wert, der die Windschlüpfigkeit eines Körpers beschreibt. Ein Lkw mit Anhänger kämpft praktisch gegen denselben Luftwiderstand wie einer ohne, und ähnlich ist es auch bei Radfahrern, die physikalisch gesehen zu einem einzigen Körper verschmelzen.

Der Vordermann muss also nicht mehr treten, als wenn er allein fahren würde. Ein Experiment in der ARD-Sendung Kopfball hat sogar ergeben, dass er ein bisschen Kraft spart – weil sich beim Alleinfahren an seinem Rücken bremsende Wirbel ergeben, die ihm der Windschattenfahrer sozusagen abnimmt.

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