Fünf Prozentpunkte. Das ist das Ziel von Ewald Pfaff und Malte Förster. Fünf Prozent Effizienzverlust, das wäre ziemlich gut. Bis jetzt sind es zehn. Und diese zehn Minuspunkte sind der Hauptgrund, warum es noch dauern wird, bis ein Kohlekraftwerk ans Netz geht, das dem Klima nicht schadet. Den Verlust zu mindern, so wie es Pfaff und Förster an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen anstreben, hat Bedeutung für die ganze Welt. Nicht bloß für Kraftwerksbauer, sondern für ganze Staaten, Volkswirtschaften, Klimaziele. Von Aachen über Kyoto und Kopenhagen bis China – es geht um sehr viel Kohle.

Alle großen Energiekonzerne arbeiten an Verfahren, den billigen Brennstoff Kohle sauberer zu verfeuern, den Klimaschädling Kohlendioxid einzufangen und unter der Erde zu verstauen. CCS nennen sich solche Technologien: Carbon Capture and Storage. Die erste kleine Pilotanlage für ein CO₂-armes Kraftwerk hat Vattenfall im vergangenen Jahr in der Lausitz in Betrieb genommen.

Doch egal, wie man es anstellt, immer sinkt der Wirkungsgrad des Kraftwerks. Um eben diese zehn Prozentpunkte. Die Technik katapultiert damit die Effizienz der Stromerzeugung zurück auf den Stand der achtziger Jahre. Für die gleiche Menge Strom muss mehr Kohle verbrannt werden, die Betriebskosten steigen – und der Kohlestrom büßt seinen Preisvorteil ein. Und weil es immer noch kaum etwas kostet, CO₂ in die Luft zu pusten, beeilen sich die Konzerne nicht besonders, die Technik reif für den Einsatz zu machen.

Neben technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennen die Energieunternehmen gern ein politisches Hindernis: Solange die Deponierung des Treibhausgases nicht geregelt sei, ergebe es keinen Sinn, dessen Abscheidung voranzutreiben. Das Argument dürfte bald entfallen, derzeit beraten Bundestag und Bundesrat über ein entsprechendes Gesetz. Die Debatte ist hitzig; Kritiker fürchten, dass die CCS-Technik die fossile Energiepolitik zementiert und den Weg in eine wirklich grüne Zukunft mit erneuerbaren Energien versperrt.

Auch wenn an dem Gesetzentwurf einiges zu kritisieren ist (vor allem, dass die Konzerne die Verantwortung für die CO₂-Deponien schon 30 Jahre nach der Stilllegung kostenlos an die Bundesländer übertragen können): Hätten die Energieversorger ein Argument weniger, bei der CCS-Entwicklung herumzutrödeln, wäre das eine gute Sache.

Denn selbst wenn Deutschland in absehbarer Zeit ohne Kohle und damit ohne Kohlendioxid-Abscheidung zurechtkäme, wäre es ökologisch und ökonomisch klug, die Technik einsatzbereit zu machen. Andere Länder sind nämlich wesentlich weiter von einer grünen Zukunft entfernt, und Kohle ist fast überall auf der Welt reichlich vorhanden.

CCS zu fördern könnte Wirtschaftsförderung, Klimaschutz und Entwicklungshilfe in einem sein. Polen zum Beispiel erzeugt 95 Prozent seines Stroms mit Kohle, werde aber von 2020 an ohne weitere Ausnahmeregelungen die Klimaziele der EU einhalten, behauptete der polnische Klimabotschafter Janusz Reiter vergangene Woche in der ARD. Wie das gehen soll? "Es muss eine Zukunft geben für die Kohle, aber keine Zukunft für CO₂." Im selben Dilemma stecken China, Indien und Indonesien, Russland, Kasachstan und die Ukraine, Australien, Südafrika und die USA – ein riesiger Markt für Reinemachtechnik aus Deutschland.