Auch in Konstanz platzt der große Traum vom ewig währenden Rausch, darin liegt schon einmal eine junge Frau leichenstarr im Müllcontainer. Kommissarin Blum schwillt die Galle, als sie erkennt, dass ihr Assistent doch kein Musterschüler ist: Unter den Nägeln der toten Constanza findet man Seifenreste und Perlmanns DNA. Ja, gibt er widerwillig zu, wir hatten eine heftige kurze Affäre, und ja, gestern Nacht habe ich sie heftig lange geküsst. Er guckt zwar drein wie das Lämmchen auf der taunassen Frühlingswiese, aber Blum muss gegen ihn ermitteln. Wie kann er sich mit dem knappen Salär Designermöbel und ein teures Auto leisten? Der Mann isst eben in der Polizeikantine!, rufen wir aus.

Unser Hinweis bringt Blum kurz zur Vernunft, nun nimmt sie sich Constanzas Freund Keller zur Brust. Das ist ein untoter Freak, der seinen Guten-Morgen-Koks ins Zahnfleisch reibt. In einem klaren Moment erzählt er von den schönen alten Zeiten: Es waren einst vier Pharmaziestudenten, sie wussten, dass nicht nur Rocker rocken, also gründeten sie eine Garagenband und nannten sich die Wonderpills. Alle stiegen auf, gründeten ein Pharmaunternehmen, wurden zu Stützen der Gesellschaft. Nur bei Keller klappte der Ausstieg aus dem Ausstieg nicht – er glaubt immer noch an den Rock-’n’-Roll-Schwindel, dass man jung bleibt, wenn man alles schluckt, was alt macht.

SERIE: TATORT FERNSEHEN. Klicken Sie auf das Bild, um alle Besprechungen von Feridun Zaimoglu zu lesen

Blum hat kein Verständnis für verlorene Seelen im Drogenhimmel, viel weniger noch für Polizisten, die nicht wissen, auf welcher Seite sie stehen. Perlmann hat sich nämlich intensiv auf die schöne drogenbleiche Constanza eingelassen, und als Blum ob seiner Kurzzeit-Enthemmung die Backen aufbläst, tun wir es ihr nach. Wir sind schon mehr als ein bisschen erbost.

So stellt sich also Onkel Horst auf’m Kanapee die Welt der Pillenschlucker und Koksnasen vor. Was will man uns lehren, was steht auf der schwarzen Tafel? Dass das alles kakapfui ist, keine Macht den Drogen, Macht allein der Nüchternheit. Sehen wir sofort ein, denn wir haben nicht verzagt und Zeitzeugen befragt. Unsere Befunde: Haschraucher verblöden binnen Jahresfrist, Kokser vertrotteln noch schneller, der schnellste Weg zum Grab ist Heroin, und wer Amphetamine frisst, ist ein naturtrüber Lurch. In der heilen Welt lässt sich der Drogensumpf nicht austrocknen. Es glauben aber nur die Spießer an die scharfen Kontrollen an der Grenze zwischen Gut und Böse.

Jetzt haben wir uns selbst beim Aufsagen eines Lehrsatzes ertappt, also schämen wir uns und leiden mit der Frau des Staatsanwalts, der sie wegen eines jüngeren Mannes verlassen hat. Wir haben nichts gegen Alibischwule einzuwenden, genauso wenig wie gegen Alibistreifenpolizisten. Es kommt zu einem wirren Finale im Vernehmungszimmer. Nach getaner Arbeit sitzen Blum und Perlmann auf der Parkbank und füttern nicht die Möwen. Nein. Sie sitzen da, als würde ihnen nach einem großen Besäufnis der Kopf brummen.