Als hätte sich die Ausstellung 60 Jahre – 60 Werke im Berliner Gropius-Bau durch ihre willkürliche Werkauswahl und ihre Strafverbannung der Kunst aus Ostdeutschland nicht schon selbst genug blamiert (ZEIT Nr. 19/09 und 20/09). Aber nun hat Siegfried Gohr, einer der Kuratoren der Ausstellung, in der Welt eine "Gegenrede an die Kritiker" veröffentlicht, die in erschreckender Weise das unerschütterliche ideologische Weltbild des feisten linksrheinischen Spätkapitalismus offenbart. Kunst aus der DDR, so Gohr, sei eigentlich keine Kunst. Sie gehöre demzufolge ins Geschichtsmuseum, nicht ins Kunstmuseum, erklärt der rheinische Hausmeister Gohr. Und zwar: weil sie eine "andere Funktion" als im Westen hatte. Es sei bei der DDR-Kunst lediglich um "Gesten, Zeichen und Symbole" gegangen, die nur eine kleine Gruppe lesen und verstehen konnte. Wenn diese absurden Gohrschen Ausschlusskriterien stimmen würden, dann könnte man die gesamte Kunst der Renaissance und des Barock ins Geschichtsmuseum hängen. Es ist eine Zumutung, solche hanebüchenen Aussagen, die jede ästhetische Dimension ausklammern, von einem Professor für Kunstwissenschaft lesen zu müssen. Offenbar, so vermutet Gohr, komme die Sehnsucht nach der DDR-Kunst "aus wachsendem Ressentiment gegen die Bundesrepublik". Das immerhin hat uns noch niemand vorgeworfen.