Bad news are good news? Seit einigen Jahren haben Zeitungen weltweit in eigener Sache zu berichten – meist in Form von schlechten Nachrichten, mal skurril, mal existenziell bedrohlich.

Seit 2007 lässt die amerikanische Onlinezeitung Pasadena Now ihre Lokalberichterstattung teilweise von Journalisten in Indien abwickeln. In Pasadena werden Freiwillige eingesetzt, die Ratsversammlungen und Pressekonferenzen filmen, um ihre Videos nach Indien zu übertragen, wo die Artikel dazu geschrieben werden.

Schulden von rund 150 Millionen Euro lassen die französische Zeitung Le Monde im April 2008 Sparmaßnahmen verkünden: 130 Stellen sollen abgebaut werden, davon etwa 90 in der Redaktion; das ist ein Viertel der dort arbeitenden Journalisten.

Im Oktober 2008 verlässt die Süddeutsche Zeitung ihren Redaktionssitz in der Münchner Innenstadt und zieht an den Stadtrand. 2009 sollen 15 Millionen Euro eingespart werden.

Im Dezember 2008 meldet die Tribune-Gruppe, die unter anderem die Chicago Tribune und die Los Angeles Times herausgibt, Insolvenz an. Die Gesamtauflage aller US-Zeitungen ist von ihrem Höchstwert von 62 Millionen im Jahr 1989 auf 49 Millionen gesunken; die Anzeigenerlöse brachen seit 2007 um ein Viertel ein. Laut Mindworks Global Media werden in einem Vorort der indischen Hauptstadt Neu-Delhi mittlerweile die Layouts für 22 britische und amerikanische Zeitungen gemacht, manchmal auch die zugehörigen Artikel geschrieben.

Im Januar 2009 lässt die WAZ-Gruppe in Essen ihren Vertrag mit der Deutschen Presse-Agentur auslaufen. Der Verlag Gruner+Jahr stellt das Magazin Park Avenue ein und legt seine gesamte Wirtschaftpresse in einer Redaktion zusammen. Der Verlag Conde Nast stellt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Portfolio sowie die deutsche Ausgabe der Illustrierten Vanity Fair ein. Das Magazin Landlust meldet einen neuen Auflagenrekord: 446.681 Exemplare.

Im Februar 2009 stellt die Washington Post – wie zuvor schon die Los Angeles Times – ihre gedruckte Literaturbeilage ein. In Denver erscheint zum letzten Mal die Rocky Mountain News, eine Tageszeitung mit über hundertjähriger Geschichte.

Im März 2009 stellen Seattle Post-Intelligencer und Christian Science Monitor ihre gedruckten Ausgaben ein. Die Redaktionen arbeiten fortan für die Internetauftritte ihrer Zeitungen. Der Monitor erscheint noch einmal wöchentlich, nämlich sonntags, in gedruckter Form. Wegen Anzeigenmangels werden Detroit News und Detroit Free Press nur noch an drei Tagen pro Woche gedruckt. Nach Angaben der World Association of Newspapers erlebt der asiatische Zeitungsmarkt unterdessen einen Boom: Im Vorjahr seien die Auflagen um 4,7 Prozent gestiegen, besonders ausgeprägt ist das Wachstum in Indien mit gut 10 Prozent. In Japan bezieht der durchschnittliche Haushalt mehr als eine Zeitung.

Im April 2009 wird der renommierte Pulitzerpreis in den USA erstmals auch für reine Onlineprojekte ausgeschrieben. Bei amerikanischen Zeitungen brechen die Erlöse durch Anzeigenverkäufe im ersten Quartal 2009 so stark ein wie niemals zuvor.

Bis Mai 2009 hat die deutsche WAZ-Gruppe sich von rund 240 Mitarbeitern durch Aufhebungsverträge und Altersteilzeit getrennt. Zudem soll es an jedem Redaktionsstandort für die bis zu vier Regionalzeitungen des Konzerns (WAZ, NRZ, Westfalenpost, Westfälische Rundschau) nur noch eine gemeinsame Lokalredaktion geben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat von Januar bis Mai 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum 45 Prozent der Stellenanzeigen verloren.