DIE ZEIT: Mr. Kennedy, auch in der Klimapolitik erhoffen sich Umweltschützer vom neuen Präsidenten Kennedyschen Reformeifer…

Robert Kennedy: Da erzähle ich Ihnen erst mal von einer faszinierenden Verbindung zwischen unseren Familien: Als mein Vater 1968 ermordet worden war, sandte meine Mutter uns ältere Kinder eine Zeit lang ins Ausland. Ich kam nach Kenia zu Tom Mboya, einem befreundeten Unabhängigkeitskämpfer und Gewerkschafter; er hatte mit meinem Onkel John F. Kennedy ein Stipendienprogramm für junge Kenianer aufgebaut. Als ich Barack Obama zum ersten Mal traf, fragte ich ihn, ob er Mboya vielleicht kenne. Seine Antwort: Klar, mein Vater war einer der ersten Stipendiaten; auch wegen dieses Ausbildungsprogramms bin ich Amerikaner geworden.

ZEIT: Sind Sie trotz Obama-Begeisterung enttäuscht darüber, dass die neue US-amerikanische Regierung bei der jüngsten Etappe der globalen Klimaschutzverhandlungen in Bonn keine Führung zeigte?

Kennedy: Bei diesem internationalen Prozess bin ich ohnehin skeptisch. Nach meinem Eindruck nutzen wir ihn alle dazu, den dringend geforderten Wandel hinauszuzögern. Das Klimaschutzabkommen ist wichtig, aber egal, welcher Kompromiss am Ende beschlossen wird: Wenn wir die Erderwärmung wirklich aufhalten wollen, müssen wir die Energiewende in unseren Ländern um ein Vielfaches schneller hinkriegen.

ZEIT: Den Eindruck, dass diese Kraftanstrengung in den USA angemessen in Angriff genommen wird, hat man aber noch nicht. Im Land mit dem größten Pro-Kopf-Energieverbrauch der Welt leugnen Politiker zwar nicht mehr, dass es einen Klimawandel gibt. Aber jetzt feilschen sie um jeden konkreten Vorschlag.

Kennedy: Die Obama-Regierung hat sich den Abschied der amerikanischen Wirtschaft vom CO₂ ernsthaft auf die Fahnen geschrieben. Vor ein paar Wochen wurde ihr Energie- und Klimaschutzprogramm 600 Meinungsführern in Washington vorgestellt. Danach kam Carl Pope auf mich zu, der 25 Jahre lang Präsident des ältesten Naturschutzverbands Sierra Club war, und sagte: "Derart radikale Aussagen habe ich zuletzt bei den Anti-Bush-Demonstrationen gehört, kurz bevor uns die Polizei festnahm!" Die Dialektik der Entwicklung hat diese Revolution ermöglicht. Jetzt geht es darum: Wie kriegen wir das Projekt wirklich auf den Weg?

ZEIT: Das ist es ja. Im Kongress, der vielleicht schon nächste Woche über das Paket abstimmen wird, läuft die Kohlelobby dagegen Sturm.

Kennedy: Klar, die Hindernisse für Obama sind immens. Zum Beispiel: fast eine Billion Dollar pro Jahr, mit der die etablierten Energiequellen Kohle, Öl und Atom subventioniert werden.

ZEIT: Eine Billion? Kommen Sie da vielleicht mit den Nullen durcheinander?

Kennedy: Nicht, wenn man ehrlich rechnet. Wir vergessen immer die Kosten, die die Gesellschaft bezahlt: mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr allein für den Schutz der Öltransporte durch den Golf. Die Mondlandschaften, welche die Kohleindustrie im amerikanischen Appalachengebirge mit seiner immensen Artenvielfalt hinterlässt. Ich zahle jährlich 30 Dollar für meinen Angelschein, aber in 19 Bundesstaaten sind die meisten Fische nicht mehr ruhigen Gewissens genießbar. Durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe sterben etwa 60000 Amerikaner pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung, dazu kommen Therapiekosten und ausgefallene Arbeitsstunden. Das soll unsere billigste Form der Energiegewinnung sein?

ZEIT: Immerhin profitiert die Gesellschaft von der fossil gewonnenen Energie. Vor allem: Was ist die Alternative?