Kameruns Regenwald ist ein ungemütlicher Ort. Wasser träufelt von Farnen und Flechten, kaum ein Lichtstrahl dringt durchs Tropengrün. Wie Geisterhände streifen fleischige Blätter die Besucherarme. Aus 28 Lautsprechern schallt Fröschequaken und Insektensurren, dann und wann ertönt ein Affenschrei.

Wie anders ist es in den Schweizer Alpen. In weißem Licht erstrahlt das Felsmassiv. Blümchen sprenkeln satte Wiesen, der Duft von Almkräutern parfümiert die Luft. Zwei Kühe plaudern aus ihrem Leben, wenn man ihnen an den Euter fasst.

Das Klimahaus 8º Ost in Bremerhaven schickt von diesem Samstag an Besucher entlang des achten Längengrades um die Erde. Die Reise führt durch acht Länder und viel nachgebaute Natur: Die Gäste stehen auf der Hallig Langeneß, während ringsum die Flut ansteigt. Sie durchqueren eine sardische Wiese und erleben, wie der Schirokko-Wind um die Häuser pfeift. Sie wandern über Gletscher und zittern bei minus 20 Grad in der Antarktis. Hier in Bremerhaven, der Heimatstadt des renommierten Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, sollen die Menschen spüren, wie sich Hitze und Dürre, Frost und Sintflut anfühlen.

Das Klimahaus dient ehrgeizigen Zielen. Es ist weltweit einer der ersten Ausstellungsbauten, die sich dem Klima und seinem Wandel widmet. Zugleich bildet es den Abschluss eines städtebaulichen Großprojekts: Seit Jahren entstehen in Bremerhaven-Mitte die sogenannten Havenwelten, eine Erlebnismeile mit Museen, Zoo und Hotel, die der kleinen Großstadt an der Außenweser internationales Flair verleihen soll.

Noch sieht vieles auf dem Gelände der Havenwelten aus, wie man es an der Nordsee erwartet. Im Hafenbecken schaukeln Museumsschiffe, ein alter Walfänger und bunte Holzsegler. Am Deich entlang schlendern Familien mit Rucksack und ältere Ehepaare, er und sie in den gleichen Mikrofaserjacken. Hunde toben durchs Weserwasser und schnappen nach Tennisbällen. Der Imbiss-Pavillon wirbt mit einem Klappaufsteller, eine lachende Pommestüte mit ketchuprotem Mund.

Und dann steht da am Uferweg plötzlich dieses futuristische Gebäude. Von außen ähnelt das Klimahaus einer riesigen Wolke, umhüllt von 4700 gekrümmten Glasscheiben. Kaum ein Spaziergänger, der nicht anhält und einen ersten neugierigen Blick hinein in die Halle wirft, wo kurz vor der Eröffnung Kulissenmaler die letzten Pinselstriche setzen.

Drinnen bietet das Klimahaus eine Mischung aus Museum, Science-Center und Erlebnispark. Die Reise um die Welt ist Kern der Ausstellung. Damit das Konzept aufgeht, der Besucher begreift, wie sehr das Klima Leben beeinflusst, unternahm ein Filmteam aufwendige Recherchereisen. Rund 50 Wochen waren Ausstellungsmacher Friedo Meger und der Regisseur B. Z. Goldberg unterwegs. "Wir wollten Menschen aufstöbern, die genau auf 8,34º wohnen, dem Längengrad von Bremerhaven", sagt Meger. "Dafür sind wir tagelang durch Dschungel gewandert und durch Schnee gestapft." Sie haben Einheimische in ihrem Alltag begleitet und Videos gedreht. Diese Menschen sind es, die den Besucher in Filmclips durch die Reisestationen im Klimahaus führen. Im Niger etwa lehren Kinder den Besucher zunächst eine Begrüßungsfloskel. Nur wer sie aussprechen kann, dem öffnet sich die Tür zu ihrem Land.

Meger geht der Gruß Alkher ghas längst flüssig von den Lippen. Er betritt den Hauptraum des Nigers. "Das ist einer meiner Lieblingsorte im Klimahaus", sagt er. "Ich finde ihn fast sakral." Mitten im Saal erhebt sich eine gelb-braune Hochebene. Helles Licht strahlt über Wüstensand. Meger streift sich das Cordsakko von den Schultern, es ist heiß. In einer Nische ist die Hütte der Tuareg Mariam nachgebaut, die Elfjährige erzählt im Filmclip von der Hochzeit ihrer Schwester. In einem Zelt liegen Hirsestampfer und Reissäcke aus. Auf ihrer Recherchereise in den Niger haben Meger und Goldberg 13 mal 13 Meter Wüste abfotografiert, Sandproben genommen und alles eingesammelt, was herumlag, in Bremerhaven ließen sie den Ausschnitt bis ins Detail genau nachstellen. Im Sand liegen Kamelkötel, Zweige und ein Ziegenhorn. "Dürre" lautet das Thema des Raums. Wie kostbar Wasser in der Wüste ist, soll eine Installation verdeutlichen: Alle zwölf Minuten fällt, von Scheinwerfern bestrahlt, ein Tropfen von der Decke. Er benetzt eine knorrige Akazie, den einzigen Baum in der Kunst-Wüste.