Für die Studienanfänger in Paderborn beginnt das Wintersemester mit einer schönen Bescherung: Die Universität schenkt ihnen ein Netbook. Präsident Nikolaus Risch spricht zwar lieber von einem "kostenfreien Lehrmittel", doch die Definition dessen, was sie da im Oktober auspacken werden, dürfte den meisten Erstsemestern egal sein. Ein "topaktuelles" Zehn-Zoll-Gerät soll es sein, mit den Betriebssystemen Windows oder Linux soll es laufen und sich per Funk mit dem Internet verbinden; der Hersteller steht noch nicht fest.

Derzeit kosten solche Mini-Notebooks 300 bis 400 Euro. "Wir werden die Geräte aber erheblich günstiger bekommen", erwartet Nikolaus Risch. Er rechnet mit mindestens 3000 Studienanfängern. Selbst wenn er pro Netbook nur 200 Euro ausgeben müsste, würde es 600.000 Euro kosten, sie alle zu versorgen. Woher nimmt die Universität so viel Geld? "Die Netbooks werden von Sponsoren bezahlt", sagt Risch. "Wir verwenden zur Finanzierung weder Studiengebühren noch Mittel aus dem Hochschuletat." Die Namen der Sponsoren dürfe er noch nicht nennen, es handele sich aber um Privatpersonen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen.

Im Wettbewerb um Studenten ist die Paderborner Initiative in Deutschland einzigartig. Zwar locken auch andere Hochschulen und Lehrinstitute mit ähnlichen Angeboten, aber am Ende zahlen doch die Studenten. Das SAE Institute etwa, eine private Schule für Tontechnik, Multimedia und Animation, stattet alle Vollzeitstudenten mit einem neuen Apple Macbook aus, das über 1000 Euro kostet. Finanziert wird der Computer allerdings aus Studiengebühren, und die sind hoch: 11000 Euro kostet die ein- bis zweijährige Ausbildung. Die Hochschule Bochum unterstützt ihre Studenten beim Leasing eines Notebooks, indem sie drei Jahre lang jeden Monat 16 Euro zu den Raten beisteuert – insgesamt 576 Euro. Doch auch diese Mittel stammen aus Studiengebühren; im Grunde zahlen die Studenten ihre Notebooks selbst.

Bei gesponserten Computern ist das anders – aber ist das auch eine gute Idee? "Ja, wenn für die Studenten mit dem Netbook keinerlei Verpflichtungen verbunden sind", sagt Markus Langer, Experte für Hochschulmarketing bei CHE Consult. Und: "Es stellt sich die Frage nach dem Einfluss der Sponsoren auf die Universität." Präsident Nikolaus Risch versichert, es gebe für die Studenten keine Verpflichtungen, nur eine kleine Einschränkung: Erstsemester müssten den Computer zurückgeben, wenn sie sich vor dem 15. November 2009 exmatrikulierten. Außerdem gelte die Aktion nicht für Zweithörer, Austausch- und Seniorenstudenten. Und die Sponsoren? "Sie erhalten Kontakte zur Universität und indirekt auch zu den Studenten – es gibt jedoch von unserer Seite keine unmittelbaren Gegenleistungen. "Eine Leistung erhalten sollen also nur neue Studenten, gewissermaßen als Belohnung dafür, dass sie sich für Paderborn entscheiden.

Aber ist ein Gratis-Netbook Anreiz genug, zumal Studienanfänger oft schon ein Notebook besitzen? Nikolaus Risch glaubt: "Das könnte den Ausschlag geben." Eine Einschätzung, die Markus Langer von CHE Consult teilt: "Überregional wird diese Aktion wohl kaum Studenten anlocken, aber innerhalb von Nordrhein-Westfalen könnte sie mobilisieren." Wer sich etwa zwischen den Universitäten in Bielefeld und Paderborn entscheiden müsse, wähle im Zweifelsfall die Hochschule, die einen Mehrwert biete – selbst wenn es sich dabei um einen Computer für 300 Euro handele.

Dass derartige Lockangebote Erfolg haben können, zeigt eine Aktion der Universität Potsdam. Seit dem Wintersemester 2008/09 schenkt die ostdeutsche Hochschule allen Studienanfängern, die nicht aus Berlin oder Brandenburg kommen, eine Bahncard 50 im Wert von 110 Euro. Finanziert wird die Maßnahme durch den Hochschulpakt 2020, der mit Bundesmitteln dafür sorgen soll, dass sich die Zahl der Studienanfänger in Deutschland erhöht. Die Potsdamer "Mobilitätsprämie" gilt für ein Jahr und soll vor allem Studenten aus dem Westen ködern, die dadurch am Wochenende oder in den Ferien günstig in die Heimat reisen können, zumindest in den ersten beiden Semestern.