In Bremen wurde dieser Tage Geschichte geschrieben: Die Bürgerschaft, das Parlament des kleinsten Bundeslands, hat ein neues Schulgesetz beschlossen. Mit den Stimmen der Regierungsparteien, SPD und Grüne – und mit den Stimmen der größten Oppositionspartei, der CDU.

Künftig wird es im Land Bremen nach der Grundschule nur noch zwei Schulformen geben: das Gymnasium, das nach zwölf Jahren zum Abitur führt, und die neue "Oberschule". Die Oberschule vereint die bisherigen Gesamtschulen und kooperativen Schulzentren; auch an ihr können leistungsstarke Schüler (nach zwölf oder dreizehn Jahren) das Abitur ablegen. Zusätzlich sollen Behinderte zunehmend in Regelschulen integriert werden.

Mit der Beschränkung auf zwei Schultypen soll die Zerklüftung des Bildungswesens überwunden werden, ähnlich wie es die Stadtstaaten Berlin und Hamburg planen. Die Länder wollen dem Trend zu sogenannten Restschulen entgegenwirken, der sich in allen Großstädten mit einem vielgliedrigen Schulsystem zeigt. An diesen Schulen, oft sind es Hauptschulen, sammeln sich leistungsschwache und verhaltensauffällige Schüler. Ein vernünftiger Unterricht ist dort nicht mehr möglich.

Noch wichtiger als der Inhalt des neuen Gesetzes ist der damit verbundene "Schulkonsens" der Regierungsparteien und der größten Oppositionspartei. Zehn Jahre lang soll an der neuen Schulstruktur nicht gerüttelt werden, auch nicht, wenn die Regierung wechselt. Dafür müssen Unionspolitiker zurückstecken, die sich der traditionellen Gliederung des Schulwesens verschrieben haben, genau wie Politiker von SPD und Grünen, die eine Gesamtschule oder Gemeinschaftsschule für alle anstreben.

Das ist ärgerlich für bildungspolitische Fundamentalisten, die mit ihren Kämpfen um die vermeintlich richtige Schulstruktur das Land in die Bildungskrise geführt haben. Die Schulen hingegen können aufatmen und sich eine lange Zeit der Verbesserung ihres Kerngeschäfts widmen: dem Unterricht.

Auch an anderer Stelle hat Bremen die richtigen Lehren aus der Blamage im Jahr 2001 gezogen, als das Land das deutsche Schlusslicht in der Pisa-Studie war: Der Anteil der sogenannten Risikoschüler (die mit 15 nicht richtig lesen und rechnen können) verringerte sich in sechs Jahren von 37 auf 27 Prozent.

Der Pisa-Schock zeigt seine heilsame Wirkung.