DIE ZEIT: Die Autoindustrie kriselt. Bricht jetzt das Zeitalter des ökologischen Autos an?

Lino Guzzella: Ich bin mir nicht sicher. Ich hoffe sehr, dass die Zeit der Dreitonnenfahrzeuge vorbei ist. Doch für viele Amerikaner bedeuten große Autos Freiheit und Sicherheit. Es wird hart sein für sie, wenn sie davon wegkommen müssen.

ZEIT: Hat die US-Autoindustrie wirklich versagt? Offenbar ist sie mit ihren immer größeren Autos einfach einem Kundenbedürfnis gefolgt.

Guzzella: Das stimmt nur zum Teil. Versagt haben alle, die Konsumenten, die Industrie, versagt hat vor allem die Politik. Der schlichte Grund für alle Probleme ist, dass ein Liter Benzin in den USA jahrelang billiger war als Mineralwasser, und das war politisch gewollt. Wieso soll man da sparen?

ZEIT: Jetzt liegt der Preis zwischen 40 und 50 Cent je Liter.

Guzzella: Das ist immer noch extrem billig. In der Schweiz kostet ein Liter Diesel umgerechnet knapp einen Euro, auch das ist zu wenig. Ich halte es für einen großen Fehler, dass die CO₂-Abgabe auf Treibstoffe nicht eingeführt wird. Eigentlich bin ich sehr für Marktwirtschaft, aber ich finde, hier muss der Staat eingreifen und den Energiepreis via Steuern kontinuierlich erhöhen. Bis in zehn Jahren sollten wir den Benzinpreis hier in der Schweiz auf fünf Franken anheben. A la longue helfen nur ökonomische Anreize.

ZEIT: Wie könnte das Auto der Zukunft aussehen?

Guzzella: Jene Ökoautos, die 100.000 Dollar kosten, werden zwar von Politikern geliebt, aber sie sind zu teuer, um eine Breitenwirkung zu haben. Die Autos müssen kleiner und gleichzeitig auch billiger werden, ein verrückter Spagat.

ZEIT: Wie soll das gehen?

Guzzella: Der Schlüssel dazu ist die Bescheidenheit. Kleinere Autos, weniger Fahrleistung. Ein Auto muss nicht in sechs Sekunden von null auf hundert beschleunigen können – zwölf Sekunden reichen auch. Ein Auto muss nicht 250 Stundenkilometer fahren können, 140 genügen. Der Durchschnittsverbrauch liegt in der Schweiz bei etwa acht Litern auf hundert Kilometer, dabei gäbe es heute schon Viereinhalbliterautos, und es geht noch weiter runter. Wir müssen bescheidener werden, das schleckt keine Geiß weg.