Auf den ersten Blick hat sich in Glorias Leben nichts verändert. Auf hohen Hacken und in elegant taillierter dunkelblauer Uniform hilft die Stewardess British-Airways-Passagieren beim Einchecken im Gewusel von Terminal fünf des Heathrow-Flughafens in London. "Der Trubel ist der gleiche wie früher", sagt die 46-Jährige.

Doch vor einer Woche bekam Gloria eine E-Mail von ihrem Chef Willie Walsh. Darin forderte der Vorstandsvorsitzende der britischen Fluglinie seine 40.000 Beschäftigten zu einem Gehaltsverzicht von bis zu einem Monatslohn auf. Da hatte die Krise im Luftverkehr auch Gloria erreicht. "Lächerlich" sei die Bitte des Chefs, flucht sie. Doch sie kann froh sein, überhaupt noch angestellt zu sein.

Bis Ende des Jahres will Walsh 6500 Arbeitsplätze streichen. In seiner Mail sprach er vom "Kampf ums Überleben", der Jahresverlust bei British Airways betrug umgerechnet 475 Millionen Euro.

Der Branchenverband IATA sieht weltweit bereits 100.000 Jobs gefährdet. Rund um den Globus sind die Passagierzahlen eingebrochen. Unmittelbare Opfer der Krise sind die Mitarbeiter der Fluglinien, doch längst trifft der Abschwung auch Millionen andere Menschen: die Passagiere.

Um ihre Verluste zu begrenzen, dünnen die Fluggesellschaften ihre Netze aus. Geschäftsleute und Touristen haben deutlich weniger Wahlmöglichkeiten als vor Jahresfrist. Tausende Flüge wurden gestrichen. Allein die Lufthansa lässt in diesen Wochen das Äquivalent von 30 Flugzeugen am Boden.

Der Grund ist simpel: Preise lassen sich nur erhöhen, "wenn die Auslastung der Maschinen entsprechend hoch ist", sagt Jürgen Ringbeck, Unternehmensberater bei Booz & Company. Spielraum für weitere Preissenkungen gebe es nach dem harten Wettbewerb der vergangenen Jahre ohnehin kaum noch, ergänzt Bernd Schmaul, Geschäftsführer beim deutschen Ferienflieger Tuifly. Das Fliegen zum Taxipreis, mit dem Billigflieger warben, "ist trotz günstiger Einstiegspreise dauerhaft nicht haltbar", prophezeit er.

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Wer mit neun Wochen Vorlauf einen Flug von Hamburg nach London bucht, spürt das bereits. Passagiere zahlen hier in diesem Jahr mindestens zehn Euro mehr als 2008. Da sich die Preise fast täglich ändern, ist dies zwar nur eine Momentaufnahme. Deutlich wird aber, dass vor allem Billigflieger immer neue Gebühren erfinden oder alte massiv erhöhen, um so auf ihre Kosten zu kommen. Bei Ryanair hat zwar den "Flugpreis" von Lübeck nach London von 29,97 Euro auf 5 Euro gesenkt, gönnen sich Passagiere aber Extras wie einen Koffer oder den Check-in am Flughafen, zahlen sie 150 Euro. Tendenz steigend.

"Wann immer wir eine Gebühr verbieten, erfindet die Branche eine neue", sagt eine Sprecherin der EU-Kommission. In Zukunft sollen Fluggesellschaften gezwungen werden, alle Gebühren, denen der Kunde nicht ausweichen kann, schon beim ersten Angebot anzugeben. Dann würde der Ryanair-Flug anfangs 66,20 Euro kosten – aber auch nur, wenn mit einer bestimmten Kreditkarte bezahlt wurde. Wie auch immer: So billig wie früher wird es bei den Billigfliegern wohl ohnehin nicht mehr. In einer Stichprobe hat der Flughafenverband zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt errechnet, dass sie ihre Preise zwischen Herbst 2008 und Frühjahr 2009 um bis zu 17 Prozent erhöht haben.