Mitte April legt der Lokalchef der OÖN, Erhard Gstöttner, nach. Er nennt "fünf Gründe, warum Linz nicht neu auflebt". Als einen Grund nennt er die Kulturhauptstadt, die "bisher mehr als ein Flop war". Das Programm habe "keine Knaller im öffentlichen Raum", "keine neue inhaltliche Schubkraft für Linz", kurzum: "Es gibt keine Aufbruchstimmung in der Stadt."

Im persönlichen Gespräch erweist sich Gstöttner als ein humorvoller, selbstkritischer Zeitgenosse, und so ganz versteht man als Ortsfremder nicht, worin der Flop nun eigentlich besteht, vom allgemeinen Gemoser mal abgesehen.

Die schärfste Kritik an Linz09 versprach der Zeichentrickfilm Dobuschido , angefertigt von einem 30-köpfigen Linzer Kulturverein mit einem ebenfalls unglaublichen Namen: qujOchÖ. Der Hip-Hop-Agitprop-Streifen bringt den Berliner Rapper Bushido, der Linz das Letzte findet, mit dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch zusammen. Die Hauptperson im einstündigen Werk heißt Dobuschido und ist dem Bürgermeister wie aus dem Gesicht geschnitten. Der SPÖ-Mann entdeckt die Kraft des Rap und meistert inmitten unfähiger und betrunkener Politikerdeppen am Ufer der Donau allerlei kritische Situationen, die zu entschlüsseln einem Nichtlinzer nahezu unmöglich ist.

Bei der Premiere auf dem Filmfestival sitzt Dobusch im Publikum und bekennt hernach jovial: "Mir hat’s gefallen." Welcher Bürgermeister erfährt auch solche künstlerische Aufmerksamkeit?

Was die Filmemacher der Low-Low-Budget-Produktion, in der neben Franz Dobusch auch Fidel Castro und Adolf Hitler auftreten, nun eigentlich rüberbringen wollen, bleibt auch beim Frage-und-Antwort-Versuch mit dem Publikum unklar. Wenn sie etwas zu sagen haben, sagen sie es nicht.

Ihr Film lief im offiziellen Programm; so waren sie jedenfalls dabei bei der Sache, gegen die sie sich wenden, und schienen ganz zufrieden. Kulturhauptstadt kann manchmal die reinste Provinz sein.

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Linzer Orte

Der Linzer Ort schlechthin ist der Fluss. Die Donau durchschneidet machtvoll die Stadt und schafft an ihren Ufern aufregende Perspektiven. Das hat schon jenem Linzer Jungen imponiert, den sie hier später nur zu gern ihren Führer nannten. Adolf Hitler ließ die Nibelungenbrücke über den Fluss schlagen, den seit Jahrhunderten abgeschlossenen Hauptplatz der Stadt zum Wasser hin öffnen und mit zwei wuchtigen Brückenkopfbauten flankieren. Auch richtete der Führer vom Rathausbalkon aus das Wort an seine Linzer, am 12. März 1938, es war der Vorabend der Einverleibung Österreichs. Großer Jubel!