DIE ZEIT: Kann sich Deutschland noch den Neubau von Kohlekraftwerken leisten?

Felix Matthes: Ambitionierter Klimaschutz erfordert für Industriestaaten eine vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts. Kohlekraftwerke mit ihrer langen Lebensdauer und mit ihren hohen CO₂-Emissionen haben da keinen Platz mehr.

ZEIT: Kohle ist definitiv out?

Matthes: Ja, es sei denn, die CCS-Technik, die die Abscheidung von klimaschädlichem Kohlendioxid im Kraftwerk und seine unterirdische Lagerung sicherstellen soll, eröffnet der Kohle vorübergehend eine Perspektive.

ZEIT: Aber das Gesetzesvorhaben, mit dem diese Technik in Deutschland geregelt werden sollte, ist gerade gescheitert. Was bedeutet das?

Matthes: Erstens kostet es den Steuerzahler eine Milliarde Euro, weil so keine europäischen Fördergelder für die notwendigen Demonstrationsvorhaben fließen. Und zweitens wird nach der Bundestagswahl ein neuer Anlauf gemacht. Ob der die kritischen Punkte besser löst, mag man bezweifeln.

ZEIT: Die kritischen Punkte…

Matthes: …sind Sicherheitsstandards, Bürgerbeteiligung und Nutzungskonkurrenzen. Die potenziellen CO₂-Lagerstätten können ja unterschiedlich genutzt werden, für Gasspeicher, Geothermie oder auch für die Bunkerung von CO₂ aus Biomasse-Kraftwerken. Welche Nutzung Vorrang hat, das muss man regeln.