Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat nun also den Bankmanager Stefan Ortseifen angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, die Öffentlichkeit und die Börse mit einer Pressemitteilung im Sommer 2007 über den desaströsen Zustand der von ihm geführten IKB getäuscht zu haben. Außerdem habe er die Vorstandsvilla auf Kosten der Bank aufwendig umbauen lassen, ohne eine entsprechend höhere Miete zu zahlen. Obendrein soll er dann auch noch "hochwertige Lautsprecherboxen" über die Bank abgerechnet haben.

Man hat lange nicht von einer Anklage gehört, die in einem so krassen Missverhältnis zu den vorher öffentlich erhobenen Beschuldigungen steht – die Megapleite als Spesenbetrug.

Ortseifen war Vorstandschef der Skandalbank IKB, die 2007 zusammengekracht wäre, wenn nicht andere Banken und der Bund sie mit rund zehn Milliarden Euro gerettet hätten. Dem Institut waren riskante Geschäfte mit verbrieften amerikanischen Hypothekenkrediten zum Verhängnis geworden. Vor Gericht werden diese Deals aber gar nicht aufgerollt werden. Für den Milliardenschaden, den sie zu verantworten haben, müssen sich Ortseifen und seine Vorstandskollegen nicht verantworten. Das ist anstößig.

Man kann gegenwärtig den Eindruck gewinnen, die Justiz meine es besonders gut mit jener Berufsgruppe, für die andere das Wort Bankster entdeckt haben. Das Landgericht Frankfurt hat entschieden, dass die staatliche Förderbank KfW weiterhin hohe Gehälter an die früheren Vorstände Peter Fleischer und Detlef Leinberger zahlen muss. Dabei waren die Manager nach einer Überweisung von 300 Millionen Dollar an die Pleitebank Lehman Brothers im September 2008 fristlos entlassen worden. Ob sie etwas falsch gemacht haben, ist für das Gericht aber noch nicht geklärt. Und so gelten die Arbeitsverträge der Herren weiter.

Es scheint, als ginge man in den USA weniger rücksichtsvoll mit den neuerdings so genannten Kapitalverbrechern um. Der Finanzjongleur Bernard Madoff wurde vergangene Woche nach einem kurzen Prozess zu beeindruckenden 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

Aber in seinem Fall liegen die Dinge völlig anders als bei der IKB, der Hypo Real Estate oder der SachsenLB. Madoff war kein Risikoinvestor, kein Spekulant. Er war ein Betrüger. Er hat Anleger um viele Milliarden Euro geprellt. Madoff betrieb über Jahrzehnte ein gigantisches Schneeballsystem. Die Ausschüttungen und Rückzahlungen an die früheren Anleger finanzierte er mit dem Geld neuer Investoren. Die Schuldfrage konnte rasch geklärt werden: Madoff hat seinen Betrug gestanden. Ungeklärt ist bislang noch die Frage nach Mittätern – und die nach einer Mitschuld bei den zuständigen Aufsichtsbehörden.

Die Securities and Exchange Commission (SEC) hat mehrere Warnungen vor Madoff ignoriert, und als sie sich dann die Fondsfirma doch einmal näher ansah, entdeckte sie den Betrug nicht. Es ist schon fast komisch: Ausgerechnet jene US-Behörde, die den früheren Siemens-Vorständen vorwarf, nicht für genügend Korruptionsprävention und Kontrolle im Unternehmen gesorgt zu haben, steht nun wegen Aufsichtsversagens selbst total blamiert da. Man lernt, dass die Dinge manchmal doch nicht so einfach sind.