Wer will einen Schwanz sehen, der sprechen kann? Einen echten männlichen Penis, riesig abgebildet auf der Kinoleinwand? Der Schwanz führt zunächst zum schnellen Beat eines schlimmen Euro-Trash-Techno-Stücks einen Tanz auf. Dann geht die Kamera noch näher ran, die Eichel öffnet sich riesenhaft groß – und sagt: »Brüno.«

Brüno heißt der Träger dieses Schwanzes, er ist ein schwuler Modejournalist aus Österreich. Und Brüno ist auch der Titel des Films. Mit Brüno möchte der britische Komiker Sacha Baron Cohen an seinen großen Erfolg Borat anknüpfen, auch diesmal mischt er Fiktion und Dokumentation, auch diesmal ist der Plot bewusst simpel: Brüno will berühmt werden. Dabei erlebt er allerlei Abenteuer, bewirbt sich als Moderator einer Promi-Sendung im amerikanischen Fernsehen, engagiert sich für den Frieden im Nahen Osten und steigt schließlich in eine Wrestling-Arena.

Brüno ist wie Borat oder Ali G eine von Cohens Rollen in seiner populären, vom Sender MTV verbreiteten Fernsehshow. Cohen geht in den schrillen Outfits des Brüno nach einem einfachen Schema vor: Als vermeintlicher österreichischer Journalist sucht er draußen im echten Leben erprobte Schwulenhasser auf und interviewt sie zunächst so, dass die Männer sich in ihrer Homophobie noch bestärkt fühlen. Doch dann lässt Brüno die Situation stets gekonnt eskalieren: fordert den fundamentalistischen Christen zum Oralsex auf, versucht nackt in das Zelt eines hinterwäldlerischen Jägers zu kriechen, attackiert einen Kampfsportlehrer mit zwei Dildos, strippt vor einem erzkonservativen Republikaner und macht sich beim Treffen mit einem Anführer der Al-Aksa-Brigaden über Osama bin Laden lustig. Cohen entsichert die Menschen zuerst durch Bestätigung, um dann den Lynchmob in ihnen zu entfesseln.

Der Film soll die Verklemmten und die Homophoben provozieren, den Drang zum Berühmtwerden verarschen und dabei die Grenzen des schlechten Witzes weit nach unten ausloten, bis in die tiefsten Tiefen, dorthin, wo sich nicht einmal die pubertärsten Klassenclowns hintrauen. Die vermutete aufklärerische Wirkung des Provo-Films ist deshalb umstritten. In Brüno – so argumentieren einige Homosexuellen-Verbände in den USA – könnten sich Schwulenfeinde in ihren Vorurteilen noch bestätigt fühlen.

Doch das ist nicht das Problem. Sacha Baron Cohen und sein Regisseur Larry Charles haben auch für ihren zweiten großen Film darauf verzichtet, eine intelligente oder auch nur zuschauerfreundliche Rahmenhandlung für ihre im Fernsehen längst erprobten Possen zu entwerfen. So goutiert man zwar den Schrecken und die Komik in den dokumentarischen Szenen, etwa, wenn Brüno einen sehr ernsten Mossad-Agenten und einen nicht weniger ernsten palästinensischen Politiker mit der Verwechslung von Hamas und Hummus, der Brei aus Kichererbsen, irritiert. Doch die Witze wiederholen sich, werden lahmer und noch lahmer. Brüno lässt sich beim Versuch, seine Homosexualität abzulegen, von einer Domina auspeitschen und bringt in einer anderen Szene die Wiege eines Babys durch einen mechanischen Riesen-Dildo zum Schaukeln. Das Baby habe er in Afrika gegen einen iPod getauscht, sagt Brüno, nun hoffe er, so berühmt wie Madonna zu werden. Die Ästhetik der Bilder verharrt derweil auf dem Niveau einer Verstehen Sie Spaß -Sendung.

Auch diese Fadheit gehorcht einer Provokationsstrategie, der Kinogänger soll sich ärgern – und sich dann für seine spießige Empörung schämen. Brüno ist so die filmische Entsprechung zu den unter Schulkindern kursierenden Antiwitzen. Er ist ein Antifilm. Er implodiert beim Anschauen. In Erinnerung bleiben Szenen, die man sich irgendwann auch auf YouTube wird anschauen können.