Es war die Erfolgsmeldung, die Jürgen Zöllner so dringend brauchte. Gerade erst hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit seinem Bildungssenator die Budgetverhandlungen mit den Hochschulen entzogen und damit dessen Ruf als Star seines Kabinetts endgültig ramponiert, da verkündete Zöllner erleichtert den Durchbruch: Die lange störrischen Rektoren wollen seinem Vorschlag über die künftige Finanzierung der elf Berliner Hochschulen zustimmen. Unklar blieb, ob Nachbesserungen in letzter Sekunde den Ausschlug gaben oder doch die Angst, es künftig mit einem an Bildungsfragen mäßig interessierten Wowereit zu tun zu bekommen, an dessen Seite der als Sparkommissar gestartete neue Finanzsenator Ulrich Nußbaum lauerte.

Das Ergebnis der Verhandlungen: Die Hochschulen werden in den kommenden vier Jahren mindestens 333,7 Millionen Euro zusätzlich erhalten, das entspricht einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich 3,5 Prozent und bleibt damit deutlich hinter den Forderungen der Hochschulrektoren zurück. Entsprechend nüchtern fiel der Kommentar des Berliner TU-Präsidenten Kurt Kutzler aus, der zugleich Vorsitzender der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) ist: "Diese Einigung gibt uns Planungssicherheit. Der große Wurf aber ist sie nicht, mit ihr lässt sich gerade mal der Staus quo halten."

Für den einst als bester deutscher Bildungspolitiker gefeierten Zöllner bedeutet der Verhandlungserfolg, dass er nach zwischenzeitlichen Rücktrittsgerüchten zumindest vorläufig aufatmen kann. Seit seinem Wechsel aus Rheinland-Pfalz hatte er zwar Berlins Bildungslandschaft wie kaum einer seiner Vorgänger umgekrempelt, allerdings auch Prügel bezogen für sein Schulreformkonzept. Gleichzeitig waren einige von ihm angekündigte Projekte wie der Aufbau einer Super-Uni am Ende doch eine Nummer kleiner ausgefallen. Dass der erleichterte Senator jetzt gleich wieder in eine Mischung aus neuem Hochgefühl und alter Starmanier verfällt und die neue Berliner Hochschulfinanzierung zum "lange angestrebten Systemwechsel" mit bundesweiter Signalwirkung erklärt, wundert insofern – zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten könnte Zöllner sogar recht haben.

Denn was die Hochschulrektoren fast nebenbei abgenickt haben, ist in dieser Form einzigartig: Vorgesehen ist, dass von 2012 an zwei Drittel des Staatszuschusses an die Hochschulen nur noch auf der Grundlage vorher vereinbarter Leistungskriterien fließen sollen, und zwar zu gleichen Anteilen in der Forschung und in der Lehre. Endlich befänden sich damit gute Forscher und gute Dozenten im inneruniversitären Vergleich auf Augenhöhe, jubelt Zöllner. Würde es nach dem Bildungssenator gehen, könnten einige neue Anreize entstehen: Das verstärkte Werben um Studienanfänger aus Einwandererfamilien und die Einschreibung männlicher Studenten in Studiengängen für das Grundschullehramt (vorgeschlagene Prämie jeweils 50.000 Euro pro Kopf) würden sich dann ebenso bezahlt machen wie bislang schon das Einwerben von Drittmitteln oder die nachhaltige Senkung der Studienabbrecherquoten. Auch das Engagement der Hochschulen im weitgehend brachliegenden Weiterbildungsmarkt könnte erstmals wirklich belohnt werden: Hier will Zöllner pro 1000 Euro Einnahmen 200 Euro drauflegen. Umgekehrt würde nur noch ein Drittel des Landeszuschusses den Hochschulen als Sockelbetrag gewährt werden – das wäre deutscher Rekord.

Allerdings: Wie spektakulär Zöllners Finanzierungsmodell am Ende tatsächlich wird, hängt vom Ergebnis weiterer Verhandlungen bis Jahresende ab. Denn die einzelnen Indikatoren müssen noch zwischen Landesregierung und Hochschulen vereinbart werden. Ob sich der Senator mit seinen Prämienideen dann gegenüber den in der Vergangenheit so widerspenstigen Rektoren wird durchsetzen können, ist fraglich. Dafür spricht, dass er sich die stärkere Leistungsorientierung mit mehr Geld für alle erkauft, sodass am Ende keine Hochschule schlechter als zuvor dastehen dürfte. Dagegen spricht, dass TUPräsident Kutzler bereits mitteilte, Zöllners bisherige Vorschläge ließen sich "nicht ohne Weiteres mit den internen finanziellen Steuerungsmechanismen der Hochschulen in Einklang bringen". Eine reichlich verklausulierte Absage, der Kutzler sicherheitshalber noch hinterherschickt, man stehe erst ganz am Anfang der Verhandlungen.