DIE ZEIT: Sie starten eine Zoo-Uni. Was sollen wir uns darunter vorstellen?

GABRIELE THÖNE: Wir wollen ab dem Herbst 50 Kindern der 5. und 6. Klasse die Gelegenheit geben, mit uns auf eine zweisemestrige Weltreise im Sinne Alexander von Humboldts zu gehen. Sie sollen alle fünf Kontinente und die Polgebiete erkunden und dort naturwissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. Bewerben kann sich jeder, der ein ernsthaftes Interesse an Zoologie hat. Das werden wir mit Aufnahmetests nachprüfen. Wer nicht so gute Noten hat, sich aber brennend für Tiere interessiert, für den machen wir aber eine Ausnahme. Wir wollen den Zoo im öffentlichen Bewusstsein wieder stärker als naturwissenschaftliche Institution positionieren.

ZEIT: Warum sollten Schüler mehr über Zoologie wissen?

Thöne: Die Schüler lernen bei uns, Verantwortung für ihre Mitgeschöpfe, die Tiere, zu übernehmen. Das ist meiner Meinung nach schon ein Wert an sich. Darüber hinaus wollen wir vermitteln, wie die Dinge global zusammenhängen – was also passiert, wenn wir den Lebensraum mancher Tiere oder ihre ganze Art nicht erhalten. Dann können wir nämlich nichts mehr an unsere Nachwelt weitergeben. Wir schaden also nicht nur den Tieren, sondern auch uns selbst. Mit diesem Ansatz wollen wir die Schüler zu verantwortlichem Handeln heranziehen. Denn durch den Kontakt mit den Tieren können wir Kinder wirklich berühren.

ZEIT: Aber Sie halten die Tiere unter Bedingungen, die überhaupt nicht ihrem natürlichen Lebensraum entsprechen.

THÖNE: Ein Zoo ist immer der Versuch, die gesamte Tierwelt auf kleinem Raum abzubilden. Natürlich achten wir auf artgerechte Haltung, aber das Klima zum Beispiel können wir nicht ändern. Und manche Tierarten finden mittlerweile im Zoo sogar noch bessere Lebensbedingungen vor als in der Natur. Oft kann eine Population auch nur noch im Zoo erhalten werden. Das ist doch besser, als sich zurückzulehnen und Tierarten einfach aussterben zu lassen. Wir wollen an unsere Studenten weitergeben, wie wichtig es ist, sich für die Nachwelt zu engagieren.

ZEIT: Viele Zoos haben eine Zoo-Schule. Was ist denn nun der Unterschied zu Ihrer Universität?

THÖNE: Wir wollen mit diesem Titel die Tiefe ausdrücken, mit der wir die Themen angehen. Während eine Zoo-Schule viele Themen lehrplan- und zeitbedingt nur anreißen kann, soll bei uns richtig geforscht werden. Am Ende ihres Zoo-Studiums sollen die Kinder in der Lage sein, eigene Fragestellungen zu erarbeiten und durch Beobachtung und Analyse der Umwelt Antworten darauf zu entwickeln.

ZEIT: Mit welchen Konzepten wollen Sie die Antworten auf die Fragen der Schüler finden?

THÖNE: Wir haben einen ganzheitlichen, interdisziplinären und globalen Ansatz. An der Tierwelt können die Juniorstudenten exemplarisch nachvollziehen, worum es heute überall geht: Wie wirkt die Biologie? Was passiert momentan durch den Klimawandel in der Ökologie? Wie haben sich Mensch und Tier darauf eingestellt? Welche Fragestellungen werden demnächst auf uns zukommen? Das alles geschieht mit wissenschaftlichem Anspruch und spielerischen Elementen, damit ein junger Mensch gut folgen kann – durch Beobachten und Analysieren und nicht nur durch einfaches Konsumieren von Bildern aus dem Internet.