Es hätte eine Begegnung wie die von King Kong und Godzilla werden können, das längst überfällige Gipfeltreffen zweier Riesen des französischen Kinos: Claude Chabrol und Gérard Depardieu, die nicht nur eine sympathische Lebenswurschtigkeit, sondern auch ihre Vorliebe für Wein und ausufernde Essen verbindet. Jedenfalls grenzt es an ein Wunder, dass sich die beiden seit Jahrzehnten gegenseitig bewundern und es doch irgendwie schafften, keinen gemeinsamen Film zu drehen. Nun also spielt Depardieu die Hauptrolle in Chabrols Kommissar Bellamy . Es ist eine jener Provinzgeschichten, in denen sich Chabrol nur mäßig für die Intrige und umso mehr für die Selbst- und Trugbilder, die großen Träume und kleinen Gesten seiner Figuren interessiert.

Bei einem südfranzösischen Ferienaufenthalt im Elternhaus seiner Frau (Marie Bunel) wird Kommissar Bellamy (Depardieu) in einen obskuren Kriminalfall hineingezogen. Im Mittelpunkt stehen der rätselhafte Tod eines Obdachlosen und ein Versicherungsbetrüger, der seine Identität wechselt. Umständlich, man könnte auch sagen: lustlos entfaltet Chabrol eine Handlung, die zwischen Rückblenden, Teilgeständnissen und konstruierten Wendungen versiegt. Und so wie er sich bei manch anderem lax erzählten Film auf seine Lieblingsschauspielerin Isabelle Huppert verließ, ruht sich Chabrol nun auf seinem Hauptdarsteller aus. Mit anrührender Melancholie plattfüßelt Depardieu durch die Geschichte, räsoniert über sich selbst ("Ich esse alles, darin liegt mein Charme"), Kreuzfahrten ("drei Wochen eingesperrt mit einem Haufen Arschlöcher") oder das Leben ("Man macht nicht immer, was man will, und oft, was man nicht will"). Dass Chabrols Problem seine erzählerische Faulheit und nicht die Inszenierung ist, zeigen die zärtlichen Szenen einer Ehe zwischen Bellamy und seiner Frau. Etwa wenn er ihr liebevoll über den Hintern streicht, auf ihren Ausschnitt schaut oder seine Hand in ihrem Badewannenwasser versenkt oder wenn sie ihren selbstversunkenen Mann davor bewahrt, in ein Baustellenloch zu stürzen. Liebe, das ist die Leidenschaft, mit der sich ein nicht mehr ganz junges Paar im Bett anschaut, bevor das Licht ausgeknipst wird.

Depardieu, der in fast jeder Szene zu sehen ist, kann diesen Film zwar nicht retten, aber doch tragen. Einmal sogar bildlich, als ein Verdächtiger in einem verzweifelten Moment seinen Kopf gegen den mächtigen Bauch des Kommissars lehnt. Letztlich aber kann man nur ahnen, was für ein Film entstanden wäre, wenn die Geschichte der nicht nur buchstäblichen Schwerkraft ihres Hauptdarstellers entsprochen hätte. So illustriert Kommissar Bellamy die Widersprüchlichkeit des großen Routiniers Chabrol: Man langweilt sich und schaut trotzdem gerne zu.