Noch in der größten Sommerhitze wird allerorten geschnürt, wie wir eben feststellen konnten, als wir die schwüle Luft der Innenstadt an der Tür eines klimatisierten Kaffeefachgeschäftes kurz abstreiften und schon beim Eintreten auf ein »Zufriedenheitspaket« stießen, das uns sofort die Bohne interessierte. Zwar ist sein Inhalt gänzlich ungeröstet, aber so what, denn genau das schätzen wir ja an Tchibo seit Jahren, diese Lust an der Transzendenz im Warenumschlag, die das Uneigentliche über das Eigentliche stellt, den Duschhocker und das Windlicht über Sana und Crema. Unseren Kaffee können wir schließlich auch im T-Laden kaufen!

Das Paket will Zufriedenheit durch einen Festpreis garantieren, der sich naturgemäß nicht auf das Pfund vakuumierten Pulvers bezieht, sondern auf das »Tchibofonieren«, einen magenschonenden Handytarif, der dem Vieltelefonierer nicht gleich übel aufstößt.

»Jedes Gespräch nur 39 Cent«, egal wie lang, bis zu zwei Stunden, das ist doch mal was, da ist der Kaffee längst kalt!

Aber die zutiefst monetär geprägte Filialistenkundschaft ist viel zu aufgebrüht, um gleich zuzugreifen, sie kriegt noch eins drauf, das »Bohnenprogramm«, was kein Druckfehler ist, sondern sich von Bonus ableitet: Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen! Jeder Einkauf wirft eine Gutschrift ab, die sich in weitere Telefonate transformiert.

Wem es also gelingt, zwei Augen-Kühlpads zu ergattern oder die Edel-Biber-Wendebettwäsche, die zwei Fressnäpfe oder die Umtopffolie, den Schwebenden Kugelschreiber oder die Gebäckzange oder gar die sieben Paar Socken mit Frische-Ausrüstung – gleich kann der, vielleicht sogar bei einem koffeinhaltigen Heißgetränk, zu Hause anrufen und das Schnäppchen melden, samt allen Details: »Schatz, du rätst nicht, wo ich bin und was ich uns gekauft habe!« – »Falsch!« – »Ganz falsch!« – »Bei Tchibo!« – »Nein!« – »Neineinein!« – »Fängt mir R an!« – »Eine Reise!« – »Keinen Reisewecker! Eine REISE!« – »Aber in London waren wir doch schon zweimal!« – »In den IRAN!« – »Da bist du platt!« – »Sag ich doch.« – »Das ist nicht gefährlich, das ist von Tchibo!« – »Nee, nee, keine Sorge. Das ist sogar mit ärztlicher Begleitung.« – »Umtauschen, wie?« – »Oooch!«

Und das alles für 39 Cent. Wir raus aus Tchibo, rüber zur Apotheke: »Ein Paket Ohrenstöpsel! Aber bitte geschnürt!«