Fast jeder hat die Erfahrung schon gemacht: Im Alltag verbrauchen Autos mehr Kraftstoff, als die Verkaufsprospekte versprechen. Die Auswertung von 188 Autotests des Magazins auto motor und sport zeigt, dass der Verbrauch im Schnitt 27 Prozent oder 2,4 Liter über den Herstellerangaben liegt. Der ADAC ermittelt bis zu 25 Prozent Verbrauchsüberschreitung.

Täuschen die Autobauer also ihre Kunden? Die Hersteller messen den Verbrauch streng nach Gesetz. Bereits 1970 hat die EU ein Verfahren vorgeschrieben, das alle technischen Anforderungen – darunter die Verbrauchsmessvorschrift – zur Zulassung und Inbetriebnahme von Neuwagen regelt.

Durch diese Harmonisierung wurde der gemeinsame EU-Automarkt erst ermöglicht. Die Verantwortung für die Richtlinie lag beim Industriekommissar, nicht beim Verbraucherschutz- oder Umweltressort. Freilich galten die Messvorschriften wegen ihrer Verbrauchsangaben seit Anbeginn als realitätsfern. Eine neue Messvorschrift, der sogenannte NEFZ-Test (Neuer Europäischer Fahrzyklus), sollte den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Die neue Regelung wurde 1993 erneut vom Industriekommissar, damals Martin Bangemann, zur Verabschiedung gebracht.

Beim NEFZ-Test wird über einem Zeitraum von 20 Minuten auf einem Rollenprüfstand ein Fahrzyklus simuliert, der für wenige Sekunden eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde erreicht und über eine Zeitspanne von 13 Minuten kurze Fahrzeiten und Geschwindigkeiten bis zu 50 Kilometern pro Stunde nachbildet. Der Kraftstoffverbrauch wird dann aus den Abgasemissionen hochgerechnet. Nach diesem Test werden seit 1996 die Verbrauchswerte der Neuwagen ermittelt.

Diese idealisierten Testbedingungen verzerren die Realität gleich mehrfach.

Auffällig ist die Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Alle verkauften Neuwagen erreichen deutlich höhere Geschwindigkeiten, die selbstverständlich auf Autobahnen auch gefahren werden. Je höher aber das Tempo, desto höher der Treibstoffverbrauch. Damit untertreibt der NEFZ-Test den tatsächlichen Treibstoffverbrauch.

Zusätzlich werden beim Test idealisierte Umgebungstemperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius vorgegeben. Je höher die Umgebungstemperatur, desto leichtflüssiger sind die Schmierstoffe, desto geringer sind die Reibwiderstände im Motor, desto niedriger ist der Testverbrauch.

Da der Testverlauf fest definiert ist, kann jede elektronische Motorsteuerung den Testzyklus erkennen und das Fahrzeug automatisch auf einen treibstoffschonenden Fahrbetrieb umstellen. Das Fahrzeug lässt sich auf den Testzyklus "optimieren". Ob dies tatsächlich geschieht, kann hier nicht beurteilt werden. Aber es ist möglich, dass "künstlich" erzeugter niedriger Verbrauch gemessen wird.