Von wegen »G8« – fast vierzig Staaten und internationale Organisationen hat Silvio Berlusconi zum Gipfeltreffen in dieser Woche im italienischen L’Aquila eingeladen, darunter Angola, Dänemark und die Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (Nepad). Um die Gruppe der acht großen Industrieländer kreist eine Schar von Zaun- und Sondergästen. Der Zug ins Gigantische passt zum zirkusdirektorenhaften Berlusconi, aber dahinter liegt ein tieferer Grund: eine Sinn- und Bedeutungskrise, der verzweifelte Versuch, aus dem Club der Reichen einen echten, für das 21. Jahrhundert repräsentativen Weltgipfel zu machen.

Mit äußerster Anstrengung reckt und streckt sich die G8, um den ganzen Globus zu umfassen. Aber die Mühe ist zum Scheitern verurteilt. Die G8 ist ein Anachronismus, ein Verein der Weltelite von gestern, und sie weiß das auch. »Der Gipfel in L’Aquila«, hat Angela Merkel vorab erklärt, »wird deutlich machen, dass das G-8-Format nicht mehr ausreicht.« Die französische Finanzministerin findet es unhaltbar, dass Länder wie Indien, China oder Mexiko »auf Klappstühlchen am Rande« sitzen müssten.

Erfunden wurde der »Weltwirtschaftsgipfel«, wie die Veranstaltung zunächst hieß, Mitte der siebziger Jahre auf Anregung des französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing und von Bundeskanzler Helmut Schmidt: als Chefgespräch ohne viel Protokoll und große Beraterstäbe, zur Bewältigung von Ölpreisexplosion und Währungsschwankungen.

Beim ersten Treffen, im November 1975 in Schloss Rambouillet, saß Giscard bei der Anreise im Auto selbst am Steuer – mehrere Tausend Polizisten waren allerdings schon damals zum Schutz des Gipfels aufgeboten. Zu den Amerikanern, Briten, Franzosen, Deutschen, Italienern und Japanern, die in Rambouillet dabei waren, kamen 1976 in Puerto Rico noch die Kanadier hinzu – die »G7« war geboren.

Es war, mit hartnäckiger Inflation und Arbeitslosigkeit, eine Zeit der Krise, aber die Weltordnung war vertraut und überschaubar, die Zusammenarbeit im Westen eng – und man war unter sich.