DIE ZEIT: Herr Kollhoff, sind Sie ein schlechter Verlierer?

Hans Kollhoff: Wie kommen Sie darauf?

ZEIT: Weil Sie jetzt eine schriftliche Rüge an das Bundesamt für Bauwesen gerichtet haben und sich über mögliche Verfahrensfehler beim Wettbewerb für das Humboldt-Forum beschweren. Sie selber haben auch an diesem Wettbewerb teilgenommen, sind aber nur auf dem dritten Platz gelandet.

Kollhoff: Wissen Sie, ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch finde ich, dass es nicht sein kann, bei einem so wichtigen Projekt die Verfahrensregeln nur lax zu handhaben.

ZEIT: Was genau monieren Sie?

Kollhoff: Teilnehmen durften an dem Wettbewerb ja nur größere Architekturbüros, solche, die in den Jahren 2004 bis 2006 einen jährlichen Umsatz von mindestens 300.000 Euro gemacht hatten oder mindestens drei fest angestellte Mitarbeiter beschäftigten. Bei dem Büro von Franco Stella, das den Wettbewerb gewonnen hat, scheint beides fraglich. Und ich hoffe, meine Rüge trägt dazu bei, endlich Klarheit zu schaffen.

ZEIT: Stella selbst sagt, es habe alles seine Richtigkeit.

Kollhoff: Das mag sein, doch hat das Bundesamt meines Wissens bis heute nicht verifiziert, ob Stellas Angaben wirklich stimmen. Auch Stella selbst hat keinen öffentlichen Nachweis erbracht. Ich finde, das geht nicht. So ein Verfahren muss sauber sein, es dürfen keine Zweifel bleiben. Schließlich hätten sich sonst auch andere Kleinstbüros bewerben können.

ZEIT: Sind das nicht Nebensächlichkeiten? Am Ende zählt doch vor allem der Entwurf.

Kollhoff: Das sehe ich anders. Wenn der Bundesminister Tiefensee solche Spielregeln aufstellt, dann muss er sich auch daran halten. Das gebietet schon die Fairness. Und abgesehen davon, ist es auch sinnvoll, nur größere Büros zuzulassen. Nur sie haben die nötige Erfahrung, nur sie haben ein eingespieltes Team, um so einen Auftrag zu stemmen.

ZEIT: Es ist doch üblich, dass sich ein Wettbewerbssieger mit einem Kontaktarchitekten zusammenschließt, so wie es jetzt Stella getan hat, indem er eine Kooperation mit den Büros gmp und mit Hilmer & Sattler und Albrecht eingegangen ist.

Kollhoff: Es gibt doch einen plausiblen Grund für die Auflagen des Ministeriums: Es will sichergehen, dass der Sieger nicht nur einen Entwurf abliefert und dann die Ausführungsplanung wie auch die Umsetzung anderen überlässt. Nein, der Sieger soll umfassend verantwortlich sein.