ZEIT: Wäre Ihnen das nicht egal, wenn Sie Stellas Pläne für genial hielten?

Kollhoff: Mag sein. Der Entwurf besticht zwar durch seine Einfachheit, allerdings auf Kosten jener Vision für das Humboldt-Forum, die der ehemalige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus Dieter Lehmann, einst vorgelegt hatte.

ZEIT: Sie meinen, Stella schert sich nicht weiter um das Programm für das Humboldt-Forum und durchkreuzt die Konzepte?

Kollhoff: Stella schafft nicht die nötige Öffnung. Auch von der Idee der Agora, die doch den lebendigen Kern des Humboldt-Forums bilden soll, ist wenig zu spüren.

ZEIT: Das aber soll jetzt, so ist zu hören, nachgebessert werden.

Kollhoff: Manches mag man nachbessern können. Doch Stellas Entwurf fehlt die innere Dynamik. Es fehlt die bildliche, symbolische Vorstellung eines Humboldt-Forums.

ZEIT: Liegt das an dem architektonischen Zwangskorsett?

Kollhoff: Nach der Wettbewerbsentscheidung verbreitete sich nichts als Langeweile und Lustlosigkeit. Und das beim wichtigsten Kulturprojekt der Republik! Das kann doch nicht sein.

ZEIT: Glauben Sie denn, das Verfahren lässt sich noch zurückdrehen? Gibt es noch Hoffnung auf einen Entwurf, der tatsächlich zum Humboldt-Forum passt?

Kollhoff: Ich mache mir da keine Illusionen.

Die Fragen stellte Hanno Rauterberg