Auf dem Wühltisch der aktuellen Reiseschnäppchen stechen solche Angebote hervor: eine Woche Dubai mit Flug und Sheraton-Hotel für 666 Euro. Um potenzielle Kunden zur Buchung zu animieren, legt der Veranstalter noch ein VIP-Paket mit Champagner und privatem Flughafentransfer drauf – selbstverständlich kostenlos.

Das Sonderangebot zeigt, worum es vielen Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften und Hoteliers in diesem Sommer geht: Schadensbegrenzung. Denn kurz nach Beginn der Hochsaison sitzen sie noch auf einem Berg unverkaufter Ware für den Sommer. Das Problem zeichnete sich bereits im Januar und Februar ab, in den traditionell starken Buchungsmonaten blieben wegen der Finanzkrise und der dadurch verursachten Unsicherheiten die Reisebüros leer. Die TUI reagierte prompt: setzte im Mai ihre 1800 Mitarbeiter auf Kurzarbeit und zog jedes siebte Flugzeug aus dem Verkehr, um unverkaufte Kontingente nicht kurz vor Toresschluss verramschen zu müssen.

Inzwischen hat sich die Nachfrage allerdings spürbar belebt. "Die Leute buchen jetzt sehr kurzfristig, nachdem sie gemerkt haben, dass sie die Finanzkrise persönlich doch nicht so hart trifft wie befürchtet", sagt Alltours-Sprecherin Alexandra Hoffmann. Wie die TUI plant der Duisburger Veranstalter offiziell, die Angebote für die Hochsaison trotz der verspäteten Nachfrage zu Katalogpreisen zu verkaufen. Marktschreierische Rabattschlachten, wie sie unter dem Motto "Alles muss raus!" noch Anfang des Jahrzehnts gang und gäbe waren, möchten sich die etablierten Veranstalter in diesem Jahr nicht liefern.

Schaut man genauer hin, so sind die Rabatte jedoch gar nicht zu übersehen. Sie werden nur nicht mehr so deutlich als "Last Minute" angeboten, sondern in Form kostenloser Zusatzleistungen: Die Palette reicht von der Autobahn-Vignette, dem Tanzkurs, Wellness-Anwendungen, Eintrittskarten bis hin zu VIP-Paketen wie die in Dubai. Besonders verbreitet sind solche Extras in der Kreuzfahrtbranche, die ausgerechnet im Rezessionsjahr zahlreiche neue Schiffe in Fahrt setzt und Tausende neue Kabinen nun mit allen Verkaufstricks an den Mann zu bringen versucht: Wenn die Landausflüge plötzlich nichts mehr kosten und sämtliche Getränke im Preis inbegriffen sind, können Passagiere ihre Urlaubskasse erheblich entlasten.

Die Veranstalter haben noch weitere Instrumentarien entwickelt, um Kunden zu ködern. Dazu zählt beispielsweise der "Blitzbucher-Bonus", den die Rewe-Touristik mehrfach für schwach gebuchte Ziele ausgelobt hat: 100 Euro Rabatt pro Person für die ersten 1000 Reiseanmeldungen. Viele Veranstalter werben auch mit vergünstigten Kindertarifen, um die preissensible Zielgruppe der Familien zu erreichen. Und manch einer schaut bereits in die nächste Hochsaison: Neckermann verteilt an seine Kunden Reisegutscheine für den Sommerurlaub 2010.

Natürlich können solche Aktionen das Last-Minute-Geschäft nicht vollends ersetzen. "Die Leute suchen gezielt nach Schnäppchen", sagt die Chefin von 400 Reiseland-Reisebüros, Wibke Bachor. Und sie bekommen sie teilweise auch, denn die Flugzeuge und Hotelbetten, die von einigen Großveranstaltern wie der TUI aus dem Markt genommen werden, lösen sich ja nicht in Luft auf. Sie tauchen neu verpackt, mit anderen Markennamen und zu günstigeren Preisen im Reisebüro oder im Internet wieder auf. L’TUR, Deutschlands führender Anbieter für kurzfristig buchbare Aktionsware, rief bereits die "heißeste Last-Minute-Saison aller Zeiten" aus. Reisen wie solche nach Mallorca ab 199 Euro oder Ägypten ab 299 Euro blinken zwar auf vielen Websites. Oft sind es jedoch Lockvogelangebote, die Kunden zu anderen Offerten des Veranstalters führen sollen. Und die sind vielfach genauso teuer wie bei anderen Veranstaltern. Eine einwöchige Badepauschalreise ans Mittelmeer geht bei L’TUR für durchschnittlich 560 Euro über den Ladentisch.