Nicht schlecht! Kaum gewählt, schon beweist das neue Europaparlament Courage. "Nein! Non! No!", hat es Kommissionspräsident José Manuel Barroso entgegengeschleudert: Wir werden dich nicht wiederwählen, nicht jetzt, nicht einfach so und schon gar nicht ohne Aussprache.

Dabei hatte der Portugiese allerorten geworben, gebettelt, gedroht und sogar die Regierungschefs hinter sich gebracht. Widerwillig zwar, doch angeblich mangels besserer Alternative versprachen alle 27 dem Portugiesen eine weitere Amtszeit. Und ungeachtet des Widerstands im
Europaparlament stimmten die Staats- und Regierungschefs am Mittwoch wie geplant schriftlich der Kandidatur des 53-Jährigen zu. Dabei einte sie, genau wie bei Barrosos erster Wahl vor fünf Jahren, vor allem ein Motiv: Der Mann ist schwach. Es fehlt ihm nicht nur das Charisma, um für neue Ideen zu werben. Ihm mangelt es auch an den Ideen.

Unter Barroso war die EU-Kommission ein zwar gut verwalteter, aber politisch ziemlich toter Ort. Vielen Hauptstädten mag das recht sein. Barroso verkörpere das "schlechte Gewissen", das die Regierungen wegen ihres nationalegoistischen Handelns hätten, schrieb unlängst der nicht gerade EU-freundliche Economist und folgerte: Deswegen würden zwar viele Regierungschefs schlecht über den Mann reden, ihn aber doch stützen.

Mag sein. Richtig ist es nicht. Denn wo Brüssel nichts will, müssen auch Berlin, Paris oder London keine alten Gewohnheiten infrage stellen. Dabei könnten wir Europäer ein bisschen mehr kreative Unruhe gut verkraften. Bei 490 Millionen Einwohnern sollte sich bis zum Herbst jemand finden, der dafür sorgen kann.