Während die Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit anderen Regierungschefs auf dem Treffen der G8 in Italien wieder hehre Worte für mehr Nahrungsmittelsicherheit und gegen das Elend der Armen sucht, hat man im Landwirtschaftsministerium offensichtlich anderes im Sinn. Denn die CSU-Ministerin Ilse Aigner kämpft unterdessen aktiv für die Erhöhung der europäischen Exportsubventionen.

In einem Brief an die EU-Landwirtschaftskommissarin bittet die Ministerin gemeinsam mit ihrem französischen Kollegen Bruno Le Maire darum, die "Ausfuhrerstattungen für Käse aufzuwerten und den Mindestpreis für Käse, bei dem eine Erstattung gewährt werden kann, zu senken".

Das sind komplizierte Worte für eine einfache Sache: Die EU soll Agrarexporte stärker subventionieren. Dabei weiß eigentlich auch die Ministerin Aigner, dass die Exportförderung europäischer Agrarprodukte seit Jahren in der Kritik steht. Sie zerstört nachweislich die Agrarmärkte der Dritten Welt und verstärkt damit Elend und Armut.

Nicht nur die Brüsseler Kommission hatte daher in der Vergangenheit wiederholt verkündet, die Beihilfen grundsätzlich abschaffen zu wollen. Auch die deutsche Agrarministerin hatte erst kürzlich in einem Interview mit der ZEIT zugesagt, diese Art der Förderung werde 2013 auslaufen. Zudem hatte sie betont, sie sei "gegen Lieferungen in die am wenigsten entwickelten Länder".

In dem Brief an die EU-Kommission ist von solchen Einschränkungen nichts mehr zu lesen. Vielmehr will die Ministerin demzufolge die Krise der deutschen Milchbauern durch staatlich gestützte Exportsteigerung und somit auf Kosten der Entwicklungsländer mildern.