Eine neue Epoche sollte er einläuten, der London Consensus, verkündet im April beim Weltfinanzgipfel der G20 in der britischen Hauptstadt. Die marktradikale Doktrin des bisher geltenden Washington Consensus ersetzen durch eine engere staatliche Überwachung des Wirtschaftsgeschehens. Die internationalen Finanzmärkte bändigen. Der Weltwirtschaft einen stabilen Ordnungsrahmen geben.

Auf ihrem Treffen im italienischen L’Aquila diese Woche ziehen die Staats- und Regierungschefs der G8 eine erste Zwischenbilanz. Konkrete Entscheidungen aber fallen erst beim Weltfinanzgipfel der G20 im Herbst in Pittsburgh. Nun wird geprüft, welche Reformen auf gutem Weg sind und wo noch nachgebessert werden muss.

Es bleibt noch viel zu tun. Wichtige Probleme sind bislang ungelöst, selbst über die Ursachen der Krise gibt es einen transatlantischen Dissens.

Dabei hat die Staatengemeinschaft einiges zustande gebracht. Sie hat ihre Programme zur Rettung von Konjunktur und Banken koordiniert, die Grenzen blieben trotz protektionistischer Versuchungen bislang offen. Und Europäer und Amerikaner sehen ein, dass sie die Probleme der Weltwirtschaft nicht länger allein lösen können. In ökonomischen Fragen gibt nicht mehr die G8, sondern die G20 den Ton an. Der institutionelle Rahmen der neuen Weltfinanzordnung wird erkennbar.

Unterhalb der politischen Spitzenebene funktioniert die Zusammenarbeit inzwischen gut. Die Finanzmärkte zu regulieren erfordert langwierige Detailarbeit. Gerade hat das wichtigste internationale Gremium der Finanztechnokraten, das Baseler Forum für Finanzstabilität, Vertreter der Schwellenländer aufgenommen. Es soll, unter anderem, das Auf und Ab an den Märkten glätten, den ständigen Wechsel von kollektiver Euphorie und totaler Panik. In Zukunft sollen die Banken im Boom die Kreditvergabe einschränken und größere Kapitalvorräte anlegen, als Puffer für schlechte Zeiten. Die EU, die USA und die Schweiz setzen entsprechende Regeln schon um.

Ab sofort, heißt das, müssen Beamte entscheiden, wann in einer Volkswirtschaft zu viel Geld verliehen wird. Sie müssen auf die Bremse treten, gerade wenn alle anderen Gas geben – auch wenn weniger Kredit weniger Steuereinnahmen für den Staat und weniger Wachstum für die Wirtschaft bedeutet. Das erfordert Mut, Unabhängigkeit und qualifiziertes Personal. In den Worten eines hochrangigen Finanzaufsehers: "Wir werden alle ein wenig Gott spielen müssen."

Doch selbst wenn das gut geht, und einen Versuch ist es wert: Es reicht nicht. Völlig ungeklärt ist immer noch, wie die Politik mit dem Problem der großen und untereinander verflochtenen Banken umgeht. Durch Zwangsfusionen und Rettungsaktionen entstehen immer mehr solche Schwergewichte. Scheitern sie, dann reißen sie die Wirtschaft mit in den Abgrund – weshalb für alle großen Banken de facto eine Staatsgarantie gilt. Auch wenn sie Fehler machen: Sie können nicht pleitegehen.