Rein äußerlich war er eine seltsame Erscheinung. Mit seiner massigen Figur und gut zwei Metern Körperlänge eckte er überall an – im Sinne des Wortes: Ständig hatte er blaue Flecken und Beulen, die es ihm erschwerten, seinen Primärberuf auszuführen, für den er jung, fit und gelenkig sein musste. Er selber beschrieb in einem Brief an seine Frau, wie sein Körper allmählich verfiel: "Ich fühle mich so unendlich müde…, jeden zweiten Tag fühle ich mich seekrank. In einem Ohr rauscht es Tag und Nacht." Gleichwohl war er nicht gewillt, den anstrengenden Dienst zu quittieren; auch, weil ihm sein Beruf die Inspiration lieferte, die er für sein zweites Metier brauchte: das Schreiben.

Und im Schreiben zeigte sich denn auch, wie seltsam es gleichfalls um sein Inneres bestellt war. Nicht in den Büchern, die er veröffentlichte – aber die vielen, zum Teil bis zu hundert Seiten langen Briefe dokumentieren ein zerrissenes, von Selbstzweifeln geplagtes, oft depressives Seelenleben. Die Briefe richtete er entweder an die verehrte Frau Über-Mama oder aber an seine Frau, die er auf eine fast verzweifelte Art liebte – ihre Anwesenheit konnte der Nähe-Flüchtling nie länger als einen Moment aushalten. Die Realität konnte dem romantischen Idealbild, das er sich von ihr und dem schönen Geschlecht allgemein machte, eben nicht standhalten.

Sie war äußerlich sein Gegenstück: klein, zierlich und mit Kinderhänden, in die er sich beim ersten Date so sehr verguckte, dass er ihr einen Heiratsantrag machte. Mithilfe eines Stipendiums war die Tochter eines Kaffeepflanzers, die später selber Malerin und Bildhauerin wurde, aus ihrer Heimat nach Europa gekommen. Hier entzückte sie angeblich die Männerwelt mit ihrem Temperament; einer nannte sie "einen Vulkan, der sein Feuer über die Dächer … spuckt". Mit 24 war sie bereits verwitwet und trat bald darauf in Schwarz vor den Traualtar, um ihm das Jawort zu geben. Seine Familie war entsetzt, ihre Schwägerin bezeichnete sie als "Luder". Dass dieses Luder ein enormes Opfer brachte, indem es auf das Witwenvermögen verzichtete, nur um den Riesen heiraten zu können, würdigte in seiner Adelssippe keiner.

Von Beginn an lebte das Paar mehr ohne- als miteinander, oft auch auf verschiedenen Kontinenten. Er hatte bald eine ständige Geliebte, sie wechselnde Lover und dazu Asthma – was für eine Konstellation! Doch da keiner das Arrangement beendete, dauerte es vierzehn Jahre, bis zu seinem frühen Tod, dessen Umstände nie ganz geklärt wurden. Immerhin erlebten die zwei kurz zuvor doch noch eine Periode des Glücks in einem Landhäuschen am Meer.

In dieser entspannten Atmosphäre schrieb er jenes Buch, das ihn unsterblich machen sollte. Ein poetisches Bändchen, in dem sich fast gar nichts findet von all den inneren und äußeren Blessuren, die sein Dasein prägten – ganz im Gegenteil. Wer war’s?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 28:
Francisco Pizarro wurde um 1475 in Spanien geboren und lebte von 1502 bis 1509 auf Hispaniola, dann in Venezuela. Er begleitete 1513 Núnez de Balboas Expedition zum Pazifik. In Panama schloss er 1524 einen Eroberungsvertrag mit Diego de Almagro und dem Priester Hernando de Luque. Von Karl V. zum Gouverneur ernannt, landete er 1532 in Tumbez (Peru). Nach der Unterwerfung des Inkareichs gründete Pizarro 1535 Lima. Almagros Sohn ließ Pizarro 1541 umbringen