Maschinenbau
Fünf Jahre Aufschwung. Fast 120.000 neu geschaffene Arbeitsplätze. Vorbei. Jetzt droht dem deutschen Maschinenbau der tiefste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Was im Frühsommer 2008 schleichend begann, hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verstärkt: Allein in diesem Mai gingen 48 Prozent weniger Aufträge ein als im Mai 2008. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, rechnet mittlerweile damit, dass die Produktion in diesem Jahr um bis zu 20 Prozent einbricht – auf das Niveau von 2006. Das könnte bis zu 60.000 Arbeitsplätze kosten. Gar nicht eingerechnet sind dabei jene rund 60.000 Zeitarbeiter, die bereits in den vergangenen Monaten in aller Stille gehen mussten.

Insgesamt beschäftigten die Maschinen- und Anlagenbauer 2008 knapp eine Million Menschen in Deutschland, mehr als jede andere Industriebranche. Ein Rekordumsatz von 205 Milliarden Euro wurde erzielt, drei Viertel davon im Export. Umso mehr leidet die Paradebranche unter der Konjunkturflaute.

An die Stammbelegschaft wollen die meist familiengeführten Mittelständler freilich nur ungern heran. Nachdem sie im großen Krisenjahr 1993 drastisch Personal abgebaut hatten, fehlte ihnen später dessen Know-how. Bis vor Kurzem fiel es ihnen extrem schwer, Facharbeiter und Ingenieure zu finden. Trotzdem: Etliche bekannte Unternehmen wie der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck, der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister oder der Großpressenhersteller Schuler kündigen in diesen Tagen an, auch feste Stellen in größerer Zahl streichen zu wollen.

Noch sei die Talsohle nicht erreicht, warnt der VDMA. In den vergangenen Jahren hatten die deutschen Anlagenbauer die Fabriken der Welt mit ihren Maschinen aufgerüstet – also stehen die Maschinen jetzt erst mal da, und die Kundschaft kann sich mit weiteren Anschaffungen Zeit lassen. Ohnehin kommt ein Konjunktureinbruch in dieser Branche üblicherweise erst mit Verzögerung an, was an den langen Produktionszeiten bei Investitionsgütern liegt. Und erst wenn die Nachfrage nach Konsumgütern wieder kräftig anzieht, werden neue Maschinen bestellt.

Eine größere Zahl an Insolvenzen erwarten die VDMA-Konjunkturexperten freilich erst im nächsten Aufschwung. Dann, so sagen sie, fehle das Geld, um neue Aufträge vorzufinanzieren. Vielleicht ist dann wieder der Staat als Bürge gefragt. Dietmar H. Lamparter