Eine Ferienanlage am Mittelmeer, eingeflogen sind an die 200 Iraner, um hier ungestört von Revolutionsgarden die Hochzeit zweier Freunde aus Teheran zu feiern – mit Champagner und einem DJ aus der Hauptstadt. (Am Sonntag werden auf dem Flugplatz fünf saudische Maschinen mit einem Teil der 6000 Mann starken Prinzengarde landen – weit weg von der Religionspolizei.)

Die Iraner kommen aus aller Welt: aus Vancouver, L.A., Paris – und Teheran, viele frisch von der jüngsten Demo. Warum sie sich gegen das Regime erhoben haben, will der Gast wissen, und wo wird es enden? "Fragen Sie doch erst mal, wer es getan hat", antwortet die Dame aus dem Tross der Braut, nennen wir sie Leily, die im feinen Nord-Teheran wohnt und sich nebenberuflich mit Musil und Broch beschäftigt. "Früher, wie 1999, waren es immer nur die Studenten, heute demonstriert das ganze Volk – und vor allem die Frauen."

Warum diese Breite des Protestes? Die Antwort fasst eine ganze Totalitarismus-Bibliothek zusammen. "Du weißt nie, woran du bist, was erlaubt ist und was nicht; es ist die Willkür, die dich in den Wahnsinn treibt." Dem Gast fällt ein klassisches Experiment aus dem Psychologie-Labor ein – wo eine Taube rasch lernt, dass hinter dem schwarzen Türchen Futter wartet, hinter dem weißen nichts. Dann wird randomisiert, mal sind die Körner hier, mal dort. Ein paar Runden in diesem Spiel, und die Taube zeigt alle Anzeichen einer Psychose.

Warum gerade die Frauen? "Weil", so Leily, "wir nicht in Afghanistan oder Saudi-Arabien leben. Die Macht in der Familie haben wir seit je, aber inzwischen sind Frauen die Mehrheit an der Universität und in alle Berufe vorgedrungen. Doch da draußen kann uns jeder kleine baschidsch (Milizionär) herumschubsen und denunzieren."

Dennoch lässt sich Chamenei-Land nicht mit dem roten Russland oder dem braunen Deutschland gleichsetzen. Iraner können reisen, Geld hin und her überweisen; die Zeitungen sind nicht hundertprozentig gleichgeschaltet; wer Witze macht, kommt nicht unter die Guillotine. Eine Party mit Alkohol ist eine Sache des Preises: Gib den pasdaran einen Tausender (Euro), und sie verschwinden, freilich oft nur, um der nächsten Truppe zu verraten, wo sie auch abräumen kann.