Manche tragen ihre Bändchen noch auf dem Flug nach Hause. Diese bunten Partyarmbänder, die man zerreißen muss, damit sie abgehen. In Ferienclubs bekommt man sie umgebunden, wenn man das volle Programm gebucht hat: freie Getränke, freies Essen, freie Animation. Das, wofür die Bändchen stehen, ist ein deutscher Reisetrend im Krisenjahr: die Rückkehr von all-inclusive.

Damit war nicht zu rechnen. Die pauschalste aller Urlaubsformen hat den Ruf, unflexibel und spießig zu sein. Besonders günstig ist sie auch nicht. Ihr größter Vorzug liegt darin, dass man schon bei der Buchung alle Kosten abdeckt. Und das gibt in diesem Jahr wohl den Ausschlag.

Urlaub ist ein Spiegel des Alltags, teils Abbild, teils Gegenbild. Es gibt Deutsche, die zu verunsichert sind, um diesmal ihre Ferien früher als nötig zu planen. Aber eben auch solche, die Erholung von den Geldsorgen suchen. Und für diese ist das All-inclusive-Armband nicht mehr das Stigma des Massentouristen. Es ist das Versprechen, die Zumutungen der Ökonomie hinter sich zu lassen und in eine heile Urlaubswelt einzutreten, in der genug für alle da ist und jeder sich nimmt, was er möchte.

Die Sache hat bloß einen Haken. Mitten in einer kollabierenden Wirtschaft wirtschaftsfreie Zonen einzurichten ist natürlich auch eine ökonomische Handlung – und im Fall des Pauschaltourismus sogar eine ziemlich brutale. Wenn ein Hotel von Halbpension zu all-inclusive wechselt, lenkt es erhebliche Geldströme um. Dann teilen Hoteliers und Reiseveranstalter die Urlaubskasse ihrer Kunden fast komplett unter sich auf.

Darunter leiden die Dienstleister in der Nachbarschaft, vom Fremdenführer bis zum Wirt. Sie sehen vielleicht noch die Touristen, wie sie sich zwischen Buffet und Galaabend vor der Clubtür die Füße vertreten. Von ihrem Geld sehen sie nichts mehr. Und selbst die Kellner im Club gehen oft leer aus. Wer holt schon die Brieftasche aus dem Zimmersafe, um ihnen ein paar Münzen auf den Tresen zu legen? So bringen die Bändchenträger die Krise an ihre Lieblingsorte.

Ganz wohl ist auch der Reisebranche bei dieser Entwicklung nicht. Sie fährt auf die Dauer besser damit, den Einheimischen das Geschäft nicht zu vermiesen. Denn wenn die Urlaubsorte jenseits der Clubmauern verfallen, verblasst auch das Lokalkolorit, das eine Gegend unverwechselbar macht. Zum Sommerurlaub gehört eben doch mehr als all you can eat und Flatrate-Trinken bei schönem Wetter. Das ist die Täuschung von all-inclusive. Soviel man auch am Anfang ausgibt, die Rechnung kommt immer zum Schluss.

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