Man kann nicht sagen, dass es mit der deutschen Multikulti-Komödie im Kino weit her wäre. Die Beschäftigung mit kulturellen Klischees und deren damit einhergehende Verarschung findet bei uns eher im Fernsehen statt, in Form von Doku-Soaps (Die Özdags), Vorabendserien (Türkisch für Anfänger) oder Komödien (Meine verrückte türkische Hochzeit). Zwar gab es vor ein paar Jahren Anno Sauls deutsch-türkische Liebeskomödie Kebab Connection, die aber recht piefig verblasste angesichts von internationalen Produktionen ähnlicher Thematik.

Nun kommt also ein weiterer deutscher Multikulti-Versuch ins Kino, dessen Name schon das halbe Programm ist: Salami Aleikum. Den Salami-Anteil stellt ein ostdeutsches Dorf mit Skins, stillgelegtem Textilkombinat und Wolfgang Stumph (Go Trabi Go) in der Rolle des Gastwirts und DDR-Nostalgikers. Für die Aleikum-Seite sorgt eine persische Familie aus Köln mit einem Bilderbuch-Pascha (Michael Niavrani) als Oberhaupt und einem strickenden Sohn (Navid Akhavan) als Schandfleck. Auf dem Weg nach Polen, wo er Schafe für die Metzgerei seines Vaters kaufen will, bleibt Sohn Mohsen im ostdeutschen Kaff Oberniederwalde hängen und verliebt sich in die Automechanikerin und ehemalige Kugelstoßerin Ana (Anna Böger). Um sich bei deren Vater und im Dorf beliebt zu machen, gibt er sich als potenzieller Käufer der Textilfabrik aus.

Salami Aleikum hat viele Ingredienzen, die eine anständige Kulturklischee-Komödie braucht: Verlierer, die sich nach den großen Zeiten der DDR und des persischen Großreiches zurücksehnen, hünenhafte Frauen und schmächtige Männer, Nazis, die verprügelt, und Schatten, die übersprungen werden müssen.

Der Film charmiert weniger durch seine Romanze mit vorhersehbarem Ausgang als durch die kleinen utopischen Assimilationsleistungen der Helden: Etwa wenn der Stammtisch der ostdeutschen Knurrhähne sein Bier plötzlich an iranischen Tischflaggen trinkt und der Ossi-Gastwirt sein Angebot von angebrannten Schweinenierchen auf Kebab und persische Soßen umstellt, beides von den örtlichen Skinheads beklatscht. Oder wenn ein sternhagelvoller Schah-Anhänger und ein nicht minder besoffener ehemaliger DDR-Soldat in ihren alten Uniformen zu Marschmusik auf alte Zeiten anstoßen. Für Intermezzi sorgen rührende, aber holprige Einlagen: Bollywood-Sequenzen, sprechende Schafe und computeranimierte Sehnsuchtsträume der Figuren.

Salami Aleikum ist zu ambitioniert, um Trash zu sein, zugleich fehlen ihm die Mittel zur schwungvollen Komödie. Trotz schöner Pointen, gerade im Umgang mit der ostdeutschen Fremdenfeindlichkeit ("wenigstens sind es keine Wessis"), überzeugt Ali Samadi Ahadis Film nur als das, was er mit ein wenig mehr Geld hätte werden können.

So wirkt er wie das Zwangsprodukt einer deutschen Kino-Fernseh-Förderlandschaft, in der man entweder kleine Filme nach dem Gießkannenprinzip oder Großgeschichtsproduktionen mit Millionen päppelt. Letztlich zeigt er, dass in diesem Land genau jene mittelgroßen Filme fehlen, die, ob nun kritisch oder lokalfolkloristisch, dramatisch oder heiter, auch einem internationalen Publikum von deutschen Befindlichkeiten und nicht nebenbei noch von ihren kargen Produktionsbedingungen erzählen.