Bei Hochschulpolitikern, die Wilhelm von Humboldt, der auch die vergleichende Sprachforschung begründete, entsorgt haben, wird die Nachricht, dass das Grimmsche Wörterbuch, also das erste sprachwissenschaftliche deutsche Wörterbuch, nicht mehr weiter bearbeitet werden soll, ein Gähnen auslösen. Die Humboldts? Die Grimms? Das war gestern. Wird allenfalls zitiert in den USA, Japan oder China, wo übrigens die Digitalisierung des Textes vorgenommen wurde, 300 Millionen Zeichen. Auf 600.000 Belege hatten es Jacob und Wilhelm Grimm und ihre Zulieferer gebracht, 1838 hatten sie begonnen, kamen bis zum Buchstaben E. Ihre Nachfolger sammelten weiter, 1960 erschien der letzte Band, alles in allem 32 Bände, 350000 Stichwörter, 84 Kilogramm. Dass nicht nur feine Wörter vorkommen sollten, hatte Jacob Grimm im Vorwort betont. Geil? Band 5, Spalte 2582 bis 2591.

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