Auf der A5, da kennt Mathias Scharnagel sich aus. Da hat er einmal an einem Tag 4,3 Kilometer geschafft, "das war ein Highlight, das vergisst man nicht". Mathias Scharnagel ist gelernter Straßenbauer. Inzwischen ist er Polier bei einer Asphaltkolonne, das heißt, der 42-Jährige ist der Chef. Vor ein paar Tagen haben er und seine Männer einen Seitenstreifen zwischen Schwetzingen und dem Heidelberger Kreuz breiter gemacht. Anderthalb Kilometer haben sie am Tag geschafft, drei Lagen mussten sie insgesamt auftragen, zweieinhalb Kilometer war die Baustelle lang. Mitten im Sommer arbeiten sie, wenn eigentlich jeder Ferien hat. "Von Juni bis Dezember haben wir volles Rohr zu tun", sagt Mathias Scharnagel.

Wenn er und seine Kollegen in der Ferienzeit arbeiten, bekommen sie immer mal wieder Sprüche zu hören. "Ihr Bauarbeiter, beeilt euch", rufen manche der ungeduldigen Autofahrer. "Wir sind ja bemüht, dass alles schnell über die Bühne geht", sagt Mathias Scharnagel, aber zaubern kann er natürlich nicht. Die Leute hätten kein Verständnis, wenn sie mal fünf Minuten im Stau stünden. "Dass wir heute drei Mal einen Regenguss abbekommen haben, dass wissen die ja nicht."

Sechs Tage die Woche, auch am Samstag, arbeitet Mathias Scharnagel, Pausen macht er nicht, "nur wenn mal eine Maschine ausfällt". Er isst sogar sein "Schnippelche", sein mitgebrachtes Brot, auf der Baustelle. Sein Job lässt ihn aber auch in der Freizeit nicht los: Wenn er auf den Straßen unterwegs ist, merkt er sofort, welche Strecken gut und welche schlecht sind. "Manchmal denkst du, da hat aber jemand Mist gebaut." Denn die Belohnung für seine viele Arbeit, findet er, ist die Straße selbst. Dass er am Ende weiß, was er geleistet hat, das ist das Tolle an seinem Beruf: "Den schwarzen Asphalt, den siehst du am Abend."

Arbeitszeit: In der Hochsaison 12 Stunden pro Tag
Ausbildung: Lehre zum Straßenbauer
Verdienst: 4000 Euro brutto als Polier