Als ob der Handel mit Öl nicht schon riskant genug wäre! Doch zusätzlich zu den Unwägbarkeiten der schwankenden Rohstoffpreise geht auch noch jeder Händler, jedes Unternehmen und jede Nation, die einen Vertrag über künftige Öllieferungen unterzeichnet, ein Währungsrisiko ein. Üblicherweise werden die Verträge in Dollar geschlossen, für ein Fass Öl wird also ein fester Betrag in Dollar ausgemacht. Was der Dollar bei der Lieferung dann wert ist, steht aber auf einem anderen Blatt. Links sieht man, wie unterschiedlich der Preis für ein Fass Öl im Lauf der Zeit geschwankt hat – je nachdem, ob man zur Verrechnung Dollar, Euro oder Rubel vereinbart hatte.

© ZEIT Grafik; Quelle: IWF

Reichen wie armen Nationen ist daher an einer verlässlichen, schwankungsarmen Leitwährung gelegen. Der Handel ist dafür nicht der einzige Grund. Viele Staaten, vor allem Schwellenländer wie China und Russland, haben außerdem gewaltige Reserven zurückgelegt, und zwar zu einem Großteil in Dollar. Doch in diesen unsicheren Zeiten würde kein vernünftiger Vermögensverwalter freiwillig alle Eier in einen Korb legen, also bloß Dollar halten oder bloß amerikanische Wertpapiere.

Den Dollar zu schwächen – für einige Länder steckt hinter dieser Absicht auch machtpolitisches Kalkül. Jahrzehntelang haben die Amerikaner den Dollar genutzt, um Druck auszuüben, Freunde zu belohnen und Feinde zu bestrafen. Manche Staatschefs sehen nun die Chance, mit der Schwächung des Dollar auch Amerikas Einfluss zurückzudrängen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez etwa hat sich so geäußert, der Russe Medwedjew ebenfalls. Andere schweigen – aber denken genauso.