Wer hätte gedacht, dass sich Der kleine Angestellte zum Kinderbuch des Jahres mausern würde? Der kleine Angestellte mit seiner kleinen Aktentasche, dem am Ende die große Yacht und das Haus am Meer gehören, während die Arbeitgeberin, die mit Plastiktüte zum Billigdiscounter schlurft, ihm noch ein Dankeschön hinterher haucht. Selbst die Kritiker sind verstummt, die von einem Plagiat der Raupe Nimmersatt gesprochen haben.

Gewiss, zugegeben, ist auch bei diesem Buch die Stanztechnik zum Einsatz gekommen. Aber doch mit einer ganz anderen Durchschlagskraft! Am Abend des ersten Arbeitstages hat der kleine Angestellte ein erstes winziges Loch in die Firma gefressen, am Ende, zwanzig Seiten weiter, wenn er von dannen zieht, ist von der ganzen Firma nur noch ein Loch geblieben.

»Erstaunlich – haben Sie das alleine gemacht?«, fragt die verblüffte Chefin ganz verliebt. »Nein«, lacht der kleine Tausendsassa, »Sie haben mich doch angestellt.«

Und zeigt dabei seine weißen Zähne, die plötzlich an ein gewaltiges Haifischgebiss erinnern. »Ich wusste gar nicht«, sagt die Chefin, die zerstreut nach dem verbliebenen Kleingeld für den Discounter sucht, »dass sie so viel Appetit hatten!«

»Doch«, sagt der kleine Angestellte, »haben Sie gewusst.« Und nestelt aus der verbeulten Anzugtasche eine kleine Anzeige hervor: »Gesucht: Angestellte mit Biss, dynamisch und hungrig«.

»Ja, aber«, sagt die Chefin, »Sie können doch nicht alles alleine gefressen haben!« –

»Habe ich auch nicht«, sagt der Angestellte fröhlich, und an dieser Stelle, wo man schon glaubt, dass Buch sei zu Ende, können die Kinder einen kleinen aufgenähten Vorhang beiseite ziehen, und dahinter sieht man Dutzende von kleinen Angestellten, die an allen Ecken und Ende dieser und anderer Firmen herumknuspern. »Alle sehr hungrig«, sagt der kleine Angestellte. Und dann blättert man noch einmal um und sieht das Gewimmel auf der großen Yacht des Angestellten, der inzwischen auch schon Angestellte hat, die hier und da kleine Löcher – nun ja, hoffentlich nicht unter der Wasserlinie – in den Rumpf nagen. »Unser Beitrag zur Welthungerhilfe«, sagt der kleine Angestellte. »Fressen und gefressen werden. Man nennt es auch schöpferische Zerstörung.«