Der Schritt in die Selbstständigkeit ist immer mit einer entscheidenden Frage verbunden: Ist das Risiko nicht zu groß? Zuallererst stellt sich diese Frage ein werdender Unternehmer natürlich selbst. Häufiger noch kommt sie aber aus dem Kreise seiner Bekannten, Freunde und Verwandten. Meist sind die Fragenden selbst Angestellte, die teils bewundernd, teils besorgt die Entscheidung für das Unternehmerdasein und deren Umsetzung verfolgen.

Die Frage nach der Größe des unternehmerischen Risikos sollte besonders in Zeiten von Kurzarbeit und drohenden Entlassungen neu betrachtet werden. Unternehmer sein heißt, die Konsequenzen selbst zu tragen, wenn man Märkte falsch einschätzt und daraufhin falsch bearbeitet. Im schlechtesten Fall muss der Unternehmer mit seinem gesamten Privatvermögen haften. Ein Angestelltenverhältnis scheint da mehr Sicherheit zu bieten. Der Eindruck aber täuscht. Auch Arbeitnehmer müssen persönliche Konsequenzen tragen, wenn die Unternehmensleitung falsche Entscheidungen trifft: weniger Lohn, wie derzeit in der Automobilindustrie zu beobachten, Kurzarbeit oder Jobverlust. Zwar mag der Begriff der privaten Haftung hier keine Anwendung finden, das Ergebnis aber unterscheidet sich kaum: Weniger zu verdienen bedeutet immer, dass der Lebensstandard sinkt oder die Ersparnisse aufgezehrt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Betroffenen wenig bis keinen Einfluss auf diese Entwicklungen haben. Sie sind in hohem Maße fremdbestimmt. Das unterscheidet Angestellte deutlich vom Unternehmer. Dieser entscheidet selbst, was er tut, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Wichtiger noch, er entscheidet, wie er »Erfolg« definiert. Seine persönlichen Ziele sind die Basis seines Handelns.

Jeder Start in ein Unternehmerleben beginnt mit leeren Geschäftsbüchern und der Frage: Ist das Risiko nicht zu groß?

Die wirtschaftlichen Ziele der meisten Unternehmer in Deutschland leiten sich aus der Höhe der Wohnungsmiete, den zu leistenden Versicherungsbeiträgen oder den Kindergartengebühren für den Nachwuchs ab. Diese Ziele entsprechen also jenen Maßstäben, nach denen Angestellte ihr Gehalt verhandeln. Das bedeutet nicht, dass der Unternehmer keinen Gewinn erzielen wollte. Es relativiert nur die Wahrnehmung des zurzeit gern dargestellten gierigen Unternehmers. Die Ziele der meisten Selbstständigen unterscheiden sich mithin auch grundlegend von den Zielen großer Aktiengesellschaften.

Das verantwortungslose und größenwahnsinnige Handeln, welches wir in den vergangenen Jahren oft gesehen haben, hat die Möglichkeiten des Lebens und Handelns Tausender gefährdet. Mit unternehmerischer Freiheit im demokratischen Sinne hat das nichts zu tun. Denn zu ihr gehört, sich in eine Gesellschaft einzufügen, die ihren Mitgliedern ein Leben in allgemeiner Freiheit und Gleichheit zugesteht.

Erweitert man, mitten in der Wirtschaftskrise, jetzt die allgemeine Vorstellung von diesem wohlverstandenen Unternehmertum, könnte mehr Selbstständigkeit sogar die Lösung eines Problems werden, mit dem sich viele Unternehmen konfrontiert sehen.