Plötzlich ist da Emma Watson, nachdem sie jahrelang ein Schattendasein als strebsame Jugendfreundin von Harry Potter geführt hatte. Und während gerade noch alles um die Frage kreiste, ob ihr Filmpartner Daniel Radcliffe es schaffen würde, ein Mann zu werden, tritt sie auf den Plan. Wohlgeraten. Auf eine dezente Weise schön. Trägt diesen upperclassigen, zugleich unprätentiösen Namen. Intelligent auch, heißt es. Lagerfeld-Muse. Burberry-Model. Scheinbar mühelos ist sie das, was Harry Potter erst noch werden muss: auf eine eigenständige Weise erwachsen. Mit 19 Jahren gilt sie als Nachfolgerin von Kate Moss und gleichzeitig als deren Weiterentwicklung vom Boho-Rock-’n’-Roll-Stil zu einem arbeitsamen, organisierten Nuller-Jahre-Stil. Man nennt das heute eine Stilikone.

Das Grausame an Kinderstars ist ja, dass immer schon klar ist, welches Schicksal am Ende der Pubertät auf sie wartet: das der Weltberühmtheit. Hier findet nicht der Inhalt seine Form, sondern die Form wartet auf den Menschen, was im Zeitalter der Individualisierung selten zu einem ausgeglichenen Leben führt.

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Insofern beobachten wir Daniel und Emma in der letzten Folge von "Harry Potter" bei ihrem interessanten Kampf gegen die Vereinnahmung durch eine grausam erwartungsvolle Weltöffentlichkeit, die ihnen dabei zusieht, wie sie scheitern müssen. Denn gibt es ein Leben ohne Zwang, wenn man dem Zwang entflieht? Die alten Varianten der Verweigerung sind seit Macaulay, Britney und Lindsay zu offensichtlich. Emma gibt sich jetzt als Stilikone, alle sind begeistert. Dagegen gibt es nichts zu sagen, außer: Eine Stilikone ist Emma Watson natürlich nicht. Sie ist nur eine sehr berühmte junge Frau, die die Klischees der Kinderstars kennt und sich nun entschieden hat, das derzeit angesehenste zu bedienen. Im Spiel mit Erwartungen gibt es kein Außerhalb. Aber das wird sie bald lernen, wenn sie sich demnächst, was sie angeblich vorhat, an einer amerikanischen Eliteuniversität einschreibt, um wie vor ihr Jodie Foster und Natalie Portman Literatur zu studieren.