Madeleine Schickedanz, die Eigentümerin des insolventen Karstadt-Konzerns, hat kürzlich Verarmungsängste bekannt. Dafür ist sie mit Häme überzogen worden, obwohl ihr Beispiel doch daran erinnert, dass Unternehmer wirklich etwas riskieren, manchmal sogar ihr Hab und Gut.

Das unterscheidet sie von ihren angestellten Managern, von denen Madeleine Schickedanz in den letzten Jahren vor dem Ruin ein besonders prächtiges Exemplar an Land gezogen hatte. Gegen diesen Thomas Middelhoff ermittelt inzwischen die Bochumer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Der akribischen Recherche des Spiegels verdanken wir nun auch die Erkenntnis, dass der Angestellte Middelhoff, anders als seine frühere Chefin, selbst nach seinem Flop bei Karstadt in der Topliga der Superreichen mitspielt. Er ist offenbar Besitzer eines Anwesens bei Saint-Tropez, wie es sich Milliardäre gern leisten, sowie einer 33 Meter langen Jacht mit einem Spritverbrauch von 1000 Litern pro Stunde.

Ein mit dem Fall Schickedanz vergleichbarer Aufschrei ist bislang ausgeblieben. Kann es sein, dass uns, dem Millionenheer der abhängig Beschäftigten, ein kleiner Freudscher die Sprache verschlagen hat? Es wäre zugegebenermaßen ein ziemlich schäbiges Gefühl der Genugtuung: die Rache des Angestellten gegenüber den Eigentümern. Und dazu ein Hoffnungsschimmer in Zeiten der Angst: Wenn Middelhoff dem Untergang in einer Jacht entkommt, dann wartet vielleicht auch auf uns irgendwo noch ein Rettungsboot.