Gefangen in Dan Grahams Greek Cross Labyrinth . In einem Parcours aus Lochblechwänden und Zweiwegspiegelglas reflektiert man im doppelten Wortsinn sich und seine eigene Umgebung, sieht das eigene Ich im Spiegel und gleichzeitig durch sich hindurch auf die Welt. Eigenartig ist das, verwirrend, denn ein bisschen wirkt es so, als sei man zwar da, aber würde im gleichen Augenblick verschwinden, so transparent sind Körper und Gegenstände, die ineinander verschwimmen. Die Arbeit des New Yorker Konzeptkünstlers aus dem Jahr 2001 gehört zu seiner 1978 begonnenen Serie von Pavillons, einer Auseinandersetzung mit Büroarchitektur ebenso wie mit Parkanlagen – und so passt sie gut hinein in den Skulpturenpark Köln.

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Dieses Museum im grünen Norden Kölns zwischen Rhein und Zoo präsentiert über 40 skulpturale Installationen von Künstlern wie Jenny Holzer, Tobias Rehberger, Peter Fischli/David Weiss, Aaron Curry, Tony Cragg, Jörg Immendorff oder Jorge Pardo. Auch Jüngere sind vertreten, Jonathan Meese zum Beispiel, Thomas Rentmeister, Torsten Slama und Ina Weber. Dreizehn der Arbeiten gehören zur Sammlung Stoffel, andere sind Leihgaben oder im Auftrag des Parks entstanden. Das Kölner Ehepaar Michael und Eleonore Stoffel hatte 1967 begonnen, zeitgenössische Kunst, vor allem abstrakte Skulpturen zu sammeln und sich für Kunst im öffentlichen Raum zu engagieren. 1997 begründeten sie das Parkprojekt.

Nach ihrer beider Tod 2005 und 2007 ging die Kunstsammlung als Dauerleihgabe an die Bayerische Staatsgemäldesammlung. 140 Skulpturen sind noch in Köln. Nun kümmert sich die Stiftung Skulpturenpark Köln unter künstlerischer Leitung von Renate Goldmann um den Park. Die derzeitige Ausstellung KölnSkulptur 5 unter dem Titel Reality Check bleibt bis 2011.

Der 25.000 Quadratmeter große Park erlaubt einen großartigen Einblick in die Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts. Müßig über die Pfade flanierend – der Park als ruhige Enklave inmitten regen Großstadtverkehrs –, lassen sich auf den Rasenflächen, an den Gehwegen und selbst in den Bäumen einzigartige Arbeiten entdecken, die genau hierher gehören, in den außermusealen Raum, der großzügig Platz bietet für die Exponate. Hier sind sie Witterungen ausgesetzt, Sonne, Schnee, wodurch die Eindrücke saisonal changieren. Aber sie vergammeln nicht, wie man es von so mancher Kunst im öffentlichen Raum kennt, die gut gemeint, aber falsch gedacht an irgendeinen Platz gesetzt und dort vergessen wird. In dem Park indes wird die Skulpturenschau kuratiert und alle zwei Jahre behutsam variiert.

Doch trotz der einzigartigen Zusammenstellung und der exponierten Lage gehört der Park noch zu den kulturellen Geheimtipps in Köln. Fragt man unter jungen Kulturinteressierten nach, die seit Jahren in Köln leben, erntet man Kopfschütteln: "Nö, kenne ich nicht." Am Wochenende immerhin und bei schönem Wetter sollen inzwischen 500 bis 800 Besucher in den Park kommen. Überfüllt wirkt er dennoch nie.