Bitte schreiben Sie nicht, dass wir eine Frankenstein-Mikrobe erschaffen", sagt Nediljko Budisa. Er lehnt an der Kantinentheke und wartet auf seinen Kaffee. Bevor er von seiner Arbeit am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München erzählt, muss er noch eine gehörige Portion Skepsis gegenüber der Reporterin loswerden. Seit ein Journalist nach einem Gespräch mit ihm seinen Artikel mit Frankensteins Zeit ist gekommen überschrieb, ist der Kroate vorsichtig geworden, wenn es um sein Forschungsgebiet geht.

Allerdings ist es kein Wunder, dass seine Arbeit bei manchen Assoziationen zum Horrorgenre weckt. Denn Nediljko Budisa will tatsächlich eine neue Form von Leben erschaffen. In seinem Labor lässt er Mikroben künstliche Proteine erzeugen, Eiweißverbindungen, die von der Natur nicht vorgesehen sind. Am Ende, sagt er, werde eine "neue Chemie des Lebens" stehen.

Synthetische Biologie nennt sich Budisas Fachrichtung. Noch hat der Begriff nur für Experten eine Bedeutung. Bald aber könnte er zu einem Schlagwort werden, das für Hoffnungen und Ängste steht, für Neugier, Geld und Bedenken.

Wie ernst die deutschen Forschungsorganisationen die aufstrebende Disziplin nehmen, machten sie am vergangenen Montag in Berlin deutlich: Die Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) sowie des Robert-Koch-Instituts (RKI) präsentierten eine Stellungnahme zu den Chancen und Risiken der Synthetischen Biologie. So früh haben sich die Forschungsorganisationen selten zu einem neuen Wissenschaftsgebiet geäußert. Die DFG-Programmdirektorin Ingrid Ohlert sagt, man wolle verhindern, dass "in der Öffentlichkeit Ängste geweckt werden, die nicht in der Sache begründet sind". Dabei läuft sie jedoch Gefahr, mit solchen Äußerungen das genaue Gegenteil zu bewirken.

Was treibt die Leiter deutscher Forschungsförderung dazu, zu einem so frühen Zeitpunkt mögliche Risiken des Fachs zu benennen, das sich an der Schnittstelle von Molekularbiologie, Ingenieurwissenschaften und Chemie entwickelt?

Was Biologen der neuen Fachrichtung tun, verrät ein Blick auf die Internetseite Parts Registry, die von Forschern am Massachusetts Institute of Technology (MIT) betrieben wird. Vieles auf der Seite erinnert an die Lego-Kiste der Kindheit, und tatsächlich ähnelt die Synthetische Biologie in ihrem Ablauf dem Konstruieren von Lego-Bauten. Drei wichtige Schritte lassen sich unterscheiden.

1. Sammeln. Schon heute listet die MIT-Seite mehr als 3000 biologische Bausteine auf, sogenannte Biobricks. Das sind standardisierte Genfragmente, die sich beliebig miteinander kombinieren lassen. Der Katalog gibt dem Forscher einen Überblick darüber, welche Erbgutschnipsel mit welchen Eigenschaften ihm als Bausteine zur Verfügung stehen.