Ob das wirklich klug ist, Wahlkampf auch als Fußballspieler zu bestreiten? Einmal, Mitte der ersten Halbzeit, läuft Heiko Maas ins Abseits. Dann hadert er mit dem Schicksal, was auf jeden Fall unklug ist, weil das Schicksal, verkörpert vom Schiedsrichter, nämlich recht hatte mit dem Abseitspfiff.

In einer anderen Szene geht Maas vor dem eigenen Tor seinen Gegenspieler ein wenig zögerlich an, der erzielt den Ausgleichstreffer. Oder in der Anfangsphase. Das Spiel läuft doch noch sehr an Maas vorbei, und das scheint ihm nicht zu passen. Plötzlich rennt er etwas unmotiviert und sehr orientierungslos in der linken Hälfte rum.

Wie sich das liest, so kurz vor den Wahlen: Der Fraktionsvorsitzende der saarländischen SPD im Abseits. Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 30. August zaudert. Maas verirrt sich auf dem Weg zum Ministerpräsidenten auf dem linken Flügel. Der Fußball ist eine Metaphernfalle.

Die Präsenz auf dem linken Flügel ist besonders heikel. Weil da, in der Politik, nicht beim Fußball, Lafontaine steht, im Saarland immer noch der ewige Oskar, der mit der Linken einen Präzedenzfall schaffen will. Maas hat so eine Koalition nicht glattweg ausgeschlossen. Was wohl der Grund ist, warum die Restrepublik bei dieser Landtagswahl genau aufs ansonsten bundespolitisch eher beschauliche Saarland schaut.

Und wenn da nun einer ist, der dem Fußball nicht nur zugetan ist, wenn es opportun erscheint, der nicht angeschubst werden muss, wenn gejubelt werden soll, und der auch nicht, wie einst Gerhard Schröder, sicherheitshalber mal alle Fanschals der Bundesliga im Schrank hat, warum sollte er nicht seine Authentizität in dieser Sache einsetzen.

Nach dem Spiel ist vor der Wahl, und nach dem Spiel wird Maas auf die Frage, wie viel Privatheit in einem Spiel der "Roten Hosen", des Teams der SPD-Landtagsfraktion, stecke, antworten: "Im Spiel denke ich nicht politisch. Wenn da einer auf der linken Seite durchzulaufen droht, dann mache ich hinten rechts dicht."

Und deswegen noch einmal von vorne und mal geschaut, ob Maas die Metaphernfallen nicht doch umdribbeln kann.

Gegner am vergangenen Sonnabend ist eine Trainerauswahl des FV 09 Schwalbach, am Ende werden etwa 300, 400 Menschen da sein, Bier trinken, Würstchen essen und ab und an mal aufs Spiel schauen. Maas trifft unauffällig auf dem Sportplatz ein, auch unbeachtet. Man kennt sich hier, Maas hat Heimspiel, einen Hügel weiter hinter dem Sportplatz an der Jahnstraße hat der FC Elm seine Plätze, auf denen Maas bis zum 20. Lebensjahr gekickt hat. Bis in die Bezirksliga hat er es gebracht.

Er wohnt um die Ecke, er ist hier nicht der mögliche Ministerpräsident, er ist Nachbar. Maas trägt Jeans, ein braunes Poloshirt, die Sonnenbrille steckt im Haar, die Sporttasche hat er geschultert, und der ist anzusehen, dass Maas viel Sport treibt. Neben Fußball läuft er, fährt Rad, schwimmt, einen Triathlon hat er auch schon bestritten, den zweiten, vor sieben Wochen, verhinderte ein Muskelfaserriss. Er hat, Achtung, Politmetapher, unbestreitbar einen langen Atem.