1. Drei Tage Frieden und Musik

Wie das Rot ins Poster kam, hätten wir jetzt auch geklärt. Es war nämlich so, dass der New Yorker Grafikdesigner Arnold Skolnick den Auftrag erhalten hatte, übers Wochenende einen Entwurf hinzulegen, etwas, das die Sache auf den Punkt bringt. Die Taube stand schon fest, dass sie auf einem Gitarrenhals sitzen sollte ebenso, nur mit dem friedensblauen Hintergrund stimmte etwas nicht. Kurz vor Redaktionsschluss hatte Skolnick eine Idee: Er rannte los und besorgte rotes Papier. "Ich klebte alles auf, machte mich auf den Weg zu diesen Typen – alle total bekifft –, und die sagten dann: ›Oh toll …‹, und das war’s."

Wieder eine Wissenslücke geschlossen rund um Woodstock. Die Typen kennt man schon, es sind Michael Lang und seine Kompagnons, eine bunte Mischung mehr oder weniger ausgeflippter Mittelschichtsöhne, die im Zenit ihrer Jugend Großes im Sinn hatten: ein Festival mit den besten und begehrtesten Bands der Zeit. Big Business, Risikoinvestment, galoppierender Größenwahn! Skolnick will bei Besuchen im Hauptquartier an der Sixth Avenue halb nackten Mädchen begegnet sein, die Dollarscheine zählten, "es war wie in einem surrealistischen Film". Bedeutsam ist die kleine Szene allerdings nicht so sehr als Einblick in die Geschäftspraktiken junger Start-up-Unternehmer zu Hippie-Zeiten. Entscheidend ist, dass hier gerade die berühmteste Party der Welt entworfen wird.

Woodstock, dieser ewige Smash-Hit der Sechziger: Kein Detail ist zu unwichtig, keine Stimme zu marginal, um nicht zu einem Teil im großen Woodstock-Puzzle zu werden. Alle, die mit dem Ereignis in Berührung kamen, wurden mindestens einmal in der Sache vernommen, vom zentralen Veranstaltergestirn um Lang bis runter zum Woodstock-Toilettenwärter. Es ist über die Jahre sogar zu einer wundersamen Vermehrung der Zeitzeugen gekommen: Wer nicht dabei war, wäre zumindest gern dabei gewesen. Wahrscheinlich gibt es kein Wochenende in den ganzen bewegten Sechzigern, das so umfassend recherchiert, analysiert und kommentiert ist wie die auf Skolnicks Plakat angekündigten "3 Days of Peace & Music", die vom 15. bis 17. August 1969 ein paar Dutzend Kilometer nördlich von New York, auf einer Wiese des Milchfarmers Max Yasgur, über die Bühne gingen.