Natürlich wäre es ein spannender Zweikampf. Auf der einen Seite im Ring: Steve Ballmer, der bullige Vorstandschef des Softwarekonzerns Microsoft. Wer einmal eine Boxnacht im Fernsehen verfolgt hat, weiß, wie sehr sich das "eve" in Steve in die Länge und Höhe ziehen lässt. In der anderen Ecke säße der schmächtigere Herausforderer Eric Schmidt, Vorstandschef des Internetkonzerns Google. Der Mann brauchte allerdings dringend einen Künstlernamen. Weder Eric noch Schmidt sind Namen, die so klingen, als möchte man sie in einer Boxarena ansagen.

Fondsmanager, Aktionäre und Journalisten untersuchen nun schon seit drei Jahren jede, aber auch wirklich jede Äußerung von Ballmer und Schmidt daraufhin, ob sie nicht eine neue Wendung im Dauerwettbewerb der Konzerne enthält. Doch je länger sie horchen, bohren und darüber schreiben, umso unglaubwürdiger wird die Geschichte, die sie erzählen: von Kampf, Sieg und Niederlage.

Genau betrachtet geschieht das Gegenteil. Zwei Konzerne dominieren ihren jeweiligen Markt, und nach Jahren der gegenseitigen Stichelei zeigt sich: Keiner von beiden kann auf absehbare Zeit das Kerngeschäft des anderen übernehmen.

Microsoft hat im vergangenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 20 Milliarden Dollar erreicht – und einen Umsatz von 58 Milliarden Dollar. Google verdiente im selben Zeitraum 6,5 Milliarden Dollar vor Steuern und Abschreibungen, während der Umsatz auf 21,7 Milliarden Dollar wuchs.

So unverschämt gute Zahlen hätten die meisten deutschen Unternehmen auch gerne, und sie sind ein erster Hinweis darauf, dass Microsoft und Google in ihren Kerngeschäften monopolähnliche Margen einstreichen. Ihre jeweiligen Marktanteile lassen denn auch das Bild vom epischen Zweikampf schnell verblassen: Das Betriebssystem Windows ist weiterhin auf etwa 97 Prozent aller Desktop- und Laptop-Computer installiert. Viele Hundert Millionen Menschen nutzen das Schreibprogramm Word und andere Bürosoftware von Microsoft. Dem hat Google nicht viel entgegenzusetzen. Erst im kommenden Jahr kommt sein Betriebssystem Chrome OS heraus, und Google Apps – eine Sammlung aus Textverarbeitung, E-Mail, Kalender und mehr – hat gerade mal 1,75 Millionen zahlende Kunden.

Umgekehrt hat der Internetkonzern in Europa einen Anteil am Suchmaschinen-Geschäft, der an die 90 Prozent reicht. In den USA drängt Google seine Konkurrenten zwar langsamer an die Wand. Doch was heißt das schon? Die Suchmaschine zieht auch dort ungefähr zwei Drittel aller Fragen und das Gros der Werbung auf sich. Daran ändern die neue Suchmaschine von Microsoft (namens Bing) und der frische Pakt mit dem Internetportal Yahoo! nichts. Microsoft verliert weiterhin Milliarden im Internet. Das bisschen Wettbewerb ist also teuer erkauft.

So entsteht das Bild zweier marktbeherrschender Konzerne – und wenn man länger hinschaut, muss man den Computer- und Unterhaltungselektronik-Konzern Apple noch hinzuzählen. Drei gegen alle. So sieht es wirklich aus.