Schon die Ausgangsprämisse ist falsch: Es »dürfte weithin unbestritten sein«, dass ein auf vergleichenden Bewertungen basierendes »Wissen über die Leistungen« auch von geisteswissenschaftlichen Disziplinen »unverzichtbar« sei, sagte der Wissenschaftsratsvorsitzende Peter Strohschneider bei der Vorstellung der »Pilotstudie« Forschungsrating Soziologie. Denn man kann man mit guten Gründen bestreiten, dass sich ein derartiges, parametrisiertes »Wissen« mit Blick auf die Geschichtswissenschaften überhaupt erzielen lässt. Und auf unzulängliche Weise gewonnene, aber hochschulpolitisch folgenreiche Befunde sind vor allem eines – verzichtbar.

Dem Wissenschaftsrat ist zuzubilligen, dass er mit einem Informed Peer Review ein Verfahren anbieten möchte, das sich von den seit Jahren üblichen unseriösen Rankings qualitativ unterscheidet: Das evaluierte Fach gestalte die Bewertung selbst, hier finde ein wissenschaftsadäquates, optimiertes Procedere statt. Eine kritische Analyse der Soziologie-Pilotstudie, an der sich auch das Forschungsrating Geschichte orientieren soll, offenbart jedoch schwerwiegende Defizite auf allen Ebenen.

So beruht die Ermittlung der »Forschungsqualität« einzelner Einrichtungen auf fragwürdigen Kriterien: der Summe der eingeworbenen Drittmittel, der gutachterlichen Bewertung von Publikationen eines willkürlichen, viel zu kurzen Zeitraumes (2001 bis 2005), wobei – welch eine absurde Idee! – Monografien nur in Auszügen von maximal 50 Seiten zugelassen sind. Als wichtiges Reputationsindiz werden auch »Ämter in anderen wissenschaftlichen Institutionen und Gremien« gewertet: Auf diese Weise wird der Mangel erzielter Forschungsleistungen jener Strippenzieher, die in jeder Kommission vertreten sind, zum Qualitätsmerkmal veredelt. Und die Einschätzung der Nachwuchsförderung beruht auf dem fantasielosen Zählen vergebener Doktorhüte: Ein Fachbereich, der mit möglichst geringen fachlichen Anforderungen eine möglichst hohe Zahl selbst mäßig benoteter Dissertationen hervorbringt, schneidet besonders gut ab.

Warum sollte sich das Fach Geschichtswissenschaft einem derart fragwürdigen Verfahren aussetzen? Der Vorwurf, die Historiker entzögen sich mit ihrer Absage dem berechtigten Interesse von Öffentlichkeit und geldgebender Politik an einer Leistungsbewertung, verfängt nicht. Kein anderes geisteswissenschaftliches Fach steht so sehr im Fokus öffentlicher Wahrnehmung und Kritik wie die Geschichte; ein Blick in die Feuilletons und Sachbuchrezensionen der großen Zeitungen belegt dies nachdrücklich. Vor allem aber gilt: Das Rating, versehen mit der Autorität des Wissenschaftsrates und dem angeblichen Vorteil, Produkt einer Selbstevaluierung und kritischen Selbstvergewisserung des Faches zu sein, böte die Fiktion einer nahezu objektiven Bestandsaufnahme, die unvertretbaren Strukturentscheidungen den Anschein begründeter Sinnhaftigkeit verleihen würde. Wer wollte daran zweifeln, dass Universitätsleitungen begierig auf die Resultate einer derartigen Evaluation zurückgreifen, wenn es darum geht, Kürzungen und Umverteilungen vorzunehmen?