Dem Verband der Historiker ist Respekt zu zollen für seine Weigerung, sich auf die Mitarbeit beim Forschungsrating des Wissenschaftsrats einzulassen. Eine solche Entscheidung ist unüblich in der heutigen evaluationsgläubigen Wissenschaftswelt. Gleichwohl ist nicht alles, was auf den ersten Blick mutig erscheint, bei näherem Hinsehen wohlbedacht.

Der Wissenschaftsrat folgt bei seinem Forschungsrating der vernünftigen Überlegung, dass Regierung und Parlamente in Bund und Ländern wissen wollen, und zwar sehr viel genauer als früher, wie effizient die nicht unerheblichen Mittel für die wissenschaftliche Forschung ausgegeben werden. Gerade war ja zu beobachten, wie schwierig sich die Verabschiedung des 18 Milliarden Euro teuren Hochschulpakts 2020 gestaltete. Die politisch breit gewollte Evaluierung hat sich in Deutschland vor allem in den Jahren nach der Wiedervereinigung durchgesetzt, als die wissenschaftlichen Einrichtungen der DDR auf ihre Überlebensfähigkeit hin überprüft werden mussten.

Erwähnt seien seitdem die langwierigen Begutachtungen der Institute der Leibniz-Gemeinschaft, denen sehr bald die Systemevaluation der Helmholtz-Gemeinschaft folgte, während Fraunhofer-Gesellschaft und Max-Planck-Gesellschaft ausgefeilte Programme der internen Evaluation unter internationaler Beteiligung etablierten und erfolgreich anwenden. Seit einigen Jahren unternimmt auch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) den sicher nicht »unseriös« zu nennenden Versuch, die Leistungsfähigkeit einzelner Fakultäten in Forschung und Lehre zu bewerten, um Studierenden bei der Auswahl ihres Studienortes behilflich zu sein. Das Forschungsrating des Wissenschaftsrats schließlich wurde bereits in Zusammenarbeit mit den beiden angesehenen Fächern Chemie und Soziologie erfolgreich erprobt.

Von dieser Perspektive aus scheint die Aussage des Historikerverbandes, man wisse im Fach genau, wie gut man sei, nicht frei von Überheblichkeit, denn mit dem gleichen Recht könnten sich die renommierten Institutsdirektoren der Max-Planck-Gesellschaft gegen die interne Evaluation ihrer Gesellschaft wehren. Im Übrigen wird man wohl bezweifeln müssen, dass etwa die Zeithistoriker wirklich über die Qualität der althistorischen oder mediävistischen Forschung informiert sind.