Als bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta die ersten Sportler mit Hightech-Schwimmanzügen in die Becken sprangen, wurden sie belächelt. Wie zu Opas Zeiten war der ganze Körper verhüllt – allerdings nicht aus sittlichen Gründen. Es begann eine Rekordjagd im Schwimmsport, die ihren Höhepunkt vergangene Woche bei den Weltmeisterschaften in Rom erreichte: Dort holten die Sportler, in die dritte Generation der Kunststoffhäute gepresst, gleich 43 Weltrekorde – und das, obwohl nur 40 verschiedene Rekordmöglichkeiten existieren.

Die Spitzenschwimmer überboten ihre bisherigen Bestleistungen zum Teil gleich mehrfach innerhalb eines Wettkampfes, beim 50-Meter-Rückenschwimmen kamen drei Sportlerinnen schneller als die alte Weltrekordhalterin ins Ziel. Hauptgrund für die Leistungsexplosion, so die Diskussion am Beckenrand, seien die Anzüge.

Unter Druck geraten, reagierte der Weltschwimmverband Fina und beschloss, dem Materialdoping ein Ende zu bereiten. Von Januar 2010 an kommt zur ersten Bekleidungsregel des Verbandes – das Getragene darf nicht gegen die Moral verstoßen – eine Reihe verschärfter Regeln hinzu. So müssen die Anzüge oberhalb der Knie enden, bei den Männern dürfen sie nicht über den Bauchnabel hinausgehen.

Statt einem Millimeter dürfen sie nur noch 0,8 Millimeter dick sein, wasserundurchlässige Kunststoffbeschichtungen sind verboten. Dann wird sich zeigen, ob das Materialdoping wirklich der einzige Grund für die Leistungsexplosion war: Laut Recherchen der ARD wurden bei den Weltmeisterschaften in der vergangenen Woche die Blutdopingtests stark vernachlässigt – schon im Vorfeld hatte alle Welt nur noch von den Anzügen gesprochen.

Um sicherzustellen, dass die mit textilem Hightech erzielten Weltrekorde nicht für die Ewigkeit gelten, hat die Fina schon vorgesorgt: Nach der WM führt sie steilere Startblöcke ein. Von denen können sich die Sportler besser und weiter abstoßen. Nach über hundert Jahren Schwimmsport reichen Kraft, Schwimmtechnik und Wille alleine wohl nicht mehr aus, um immer neue Rekorde aufzustellen.

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