DIE ZEIT: Herr zu Guttenberg, vor Ihnen liegen noch vier Wochen volle Arbeit und vier Wochen Wahlkampf, und dann sind Sie Ihren Job erst mal wieder los…

Karl-Theodor zu Guttenberg: Halt, acht Wochen volle Arbeit!

ZEIT: Was ist denn das eine Verdienst, bei dem Sie sagen würden: Da fällt das Licht zu Recht auf mich?

zu Guttenberg: Es mag sein, dass die eine oder andere Frage, die einem ein gerüttelt Maß an Stand- beziehungsweise Prinzipienfestigkeit abverlangt hat, vielleicht auch einmal mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden wird.

ZEIT: Die Union sagt, Leistung muss sich wieder lohnen. Das Ministeramt hat sich für Karl-Theodor zu Guttenberg ganz offensichtlich gelohnt, Sie sind derzeit der beliebteste Politiker. Aber es steht der Vorwurf gegen Sie im Raum, eigentlich nichts Konkretes geleistet zu haben.

zu Guttenberg: Es ist nicht mein Stil, mich jeden Tag in die Brust zu werfen und zu sagen, hier ist was gelungen, dort ist was gelungen. Wir arbeiten in diesem Hause rund um die Uhr, um die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Da herrscht keine Langeweile. Wir stehen in dieser Zeit der Krise dafür, dass für alle die dieselben Kriterien gelten. Wir sorgen dafür, dass mit Steuermitteln ordentlich umgegangen wird. Das würde ich auch mir zu einem gewissen Teil auf die Flagge schreiben.

ZEIT: Sie sind durch Ihr Verhalten bei der Opel- Rettung populär geworden – obwohl Sie Nein gewollt und Ja gesagt haben. Bei Ihnen kam als Prinzipientreue rüber, was anderen als Wankelmütigkeit angekreidet werden würde. Warum ist die Öffentlichkeit so gnädig mit Ihnen?

zu Guttenberg:(lacht) Das hat weder mit Gnade noch mit Wankelmut zu tun. Ich habe übrigens Nein gewollt und Nein gesagt. Wenn in sehr harten Verhandlungen irgendwann klar wird, dass man dafür keine Mehrheit gewinnt, kann man es sich leicht machen und beidrehen. Ich habe gerungen und konnte mich in der einen ominösen Nacht nicht durchsetzen. Wenn man dann aber gemeinsam beschließt weiterzumarschieren, dann dürfen die Bürger mit Recht erwarten, dass sich nicht einer in den Schmollwinkel zurückzieht. Ich mache aber bis heute keinen Hehl daraus, was ich für richtig und für falsch halte.

ZEIT: Trotzdem sind Sie ein kleines politisches Wunder. Die meisten Politiker werden populär, nachdem sie Erfolg hatten. Bei Ihnen ist es umgekehrt. Ihr Erfolg ist Ihre Popularität.

zu Guttenberg: Popularität an sich kann und darf kein Erfolg sein. Glaubt man das, begibt man sich in die Abhängigkeit von Momentaufnahmen. Ich begegne der Außenansicht mit einem hohen Maß an Skepsis. Ich beobachte das politische Geschäft lange genug, um auch die Endlichkeit von Beliebtheit zu kennen.

ZEIT: Das sagen alle Politiker – und segeln doch auf ihrer Popularität.

zu Guttenberg: Und trotzdem hilft kein Segel gegen eine Flaute. Beliebtheit ist doch vor allem eine Mahnung zur Bodenhaftung. Ich rechne schließlich damit, dass es auch wieder anders kommt…

ZEIT: …weil, wer Platon im Original liest, auch die antiken Heldensagen kennt: wer zu steil aufsteigt, weckt den Neid der Götter?

zu Guttenberg: Im Ernst: Dass ich einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen bin, ist mir klar. Und man muss sich bewusst machen, dass das Ungewöhnliche nicht zur Regel werden kann. Im Übrigen bin ich froh, nur an einen Gott glauben zu können. Aber auch der warnt einen davor, sich mit Flügeln zu versehen und abzuheben.

ZEIT: Wundert es Sie, wie immens Ihre adelige Herkunft die Fantasie der Deutschen beschäftigt?