DIE ZEIT: Herr Lütkestratkötter, Sie sind einer der Baumeister der Globalisierung. Wie lange haben Sie im Ausland gelebt?

Herbert Lütkestratkötter: Mein erster Auslandseinsatz war Ende der siebziger Jahre in Abu Dhabi. Von da bin ich nach Honduras gegangen, dann nach Indonesien und… Es gibt wenige Länder, in denen ich nicht gewesen bin.

ZEIT: Wenn Sie diese Länder jetzt wieder bereisen, wie können Sie die Veränderungen über die vergangenen 20 Jahre beschreiben?

Lütkestratkötter: Als ich 1978 das erste Mal nach Abu Dhabi kam, dachte Sheikh Zayed schon intensiv über die Zeit nach dem Öl nach. Er hat dann zunächst auf dem Festland, Abu Dhabi liegt ja auf einer Insel, ein Gewerbegebiet angelegt. Als Nächstes haben die Emirate eine Aluminiumhütte gebaut. Wenn nun eine COv(2)-freie Stadt in der Region entsteht und Abu Dhabi einen langfristigen Entwicklungs- und Infrastrukturplan vorgelegt hat, der bis ins Jahr 2030 reicht, ist das nur logisch. Sie machen das weiter, woran ich vor 30 Jahren beteiligt war. Damals habe ich als Projektleiter den ersten Generalplan zur Entwicklung des Emirates erarbeitet.

ZEIT: Haben Sie die Dimensionen geahnt, die Abu Dhabi bekommen würde?

Lütkestratkötter: Lassen Sie es mich so sagen. Nahe Abu Dhabi steht heute eines der größten Dampfkraftwerke im Golf. Es heißt Al Taweelah, und der Name tauchte erstmals in unserem ersten Generalplan auf. Damals schien es Sheikh Zayed noch zu groß und zu weit weg von der Stadt. Aber jetzt steht es da.

ZEIT: Aber sollte der Welthandel nun dauerhaft schrumpfen – wer braucht dann all die neuen Stadtviertel, die riesigen Umschlagplätze und die Infrastrukturprojekte, die Hochtief in den vergangenen Jahren so viel Arbeit beschert haben?

Lütkestratkötter: Es gibt viele Länder, in denen die Bevölkerung schnell wächst und die einen großen Bedarf an Infrastruktur haben.

ZEIT: Aber auf der Arabischen Halbinsel? Was kann da noch Sinnvolles gebaut werden?

Lütkestratkötter: Es wird weitere Flughäfen geben. Dubai will ausbauen. Abu Dhabi auch. Neue Häfen werden entstehen. Neue Landverbindungen sind in Planung. Ich denke, auf der Arabischen Halbinsel wird auch die Eisenbahn eine Renaissance erleben. Saudi-Arabien befasst sich sehr intensiv damit.

ZEIT: Wie groß ist Ihr Auftragsbestand?

Lütkestratkötter: Mehr als 30 Milliarden Euro. Das sind gut eineinhalb Jahre Arbeit, allerdings nicht gleichmäßig über den Konzern verteilt. Wir sind aber überall gut ausgelastet. Natürlich spüren auch wir die Krise. Aber es kommen kontinuierlich neue Aufträge herein.